Übergänge

100 Jahre GBI – Bestattung

Bestatter Hamburg
Written by Giovanni

Im November 2020 jährt sich zum 100. Male die Gründung des

Bestatters GBI

GBI steht für Großhamburger Bestattungsinstitut rV.

Gründungsidee des GBI Großhamburger Bestattungsinstitut

Die Gründungsväter des GBI kamen aus drei unterschiedlichen Richtungen und waren doch alle von dem Gleichen bewegt. Bestattungen waren desorganisiert in den Jahren des aufatmenden 20. Jahrhunderts. Desorganisiert soll heißen, dass sich extremen Wildwuchs in der Geschäftsführung von solchen Bestattern breit gemacht hat und insbesondere in der Zeit des 1.Weltkriegs waren die Bestatter als Haudegen bekannt, die sich an keinerlei kaufmännische Regeln hielten und frei nach Schnauze willkürlich und meist überteuerte Preise für Bestattungen nahmen.

So taten sich die Gewerkschaften zusammen mit der AOK, Allgemeine Ortskrankenkasse und die hohen Herren Gewerkschaftssekretäre waren angetrieben von der Idee „Jedem Hamburger eine sozialadäquate Bestattung zu ermöglichen„. Genau dieser Zweck wurde auch in die Satzung der Begräbnissekasse des GBI Großhamburger Bestattungsinstituts  eingeschrieben. In einer feierlichen, handschriftlichen Urkunde wurde die Gründung besiegelt.

Geschichtliche Einordung des GBI im Flow der Gründung einer neuen Gesellschaft

 

Wenn wir uns die Flow-Bewegung im Volk und bei den Gesellschafts-Dirigenten und Vordenkern  nach dem Ende des Kaisertums und dem Neubeginn der Weimarer Republik vor Augen führen, dann wird klar, dass im Damals versucht wurde die Welt gänzlich neu zu strukturieren. Diverse Neugründungen und Unternehmen, die in dieser Zeit gegründet worden sind, haben den Übergang in die Wirtschaft der BRD nicht erlebt. Das GBI weist diesbezüglich eine ungebrochene, hundertjährige  Kontinuität auf; allerdings mit einem harschen Bruch, aber dazu später.

Ursprünglich sollte sich das Angebot des GBI Großhamburger Bestattungsinstituts  nur an Gewerkschaftsmitglieder richten und zwar aus dem Hintergedanken der Bindung von bestehenden Gewerkschaftsmitgliedern und der Neu-Anwerbung von neuen Gewerkschaftsmitgliedern.  Mit diesem nachvollziehbaren Ansatz war das GBI Großhamburger Bestattungsinstitut auch nicht allein als Unternehmen im Gewerkschafts-Imperium. Auch der Konsum-Verein der Gewerkschaften wurde genau nach den gleichen Regeln geführt. Einkaufen in der immer größer werdenden Einkaufsgenossenschaft durften nur ausgewiesene Gewerkschaftsmitglieder. Das war auch ein Segen in Zeiten der wirtschaftlichen Talfahrt, die in der Weltwirtchaftskriese geendet ist, denn so konnten die Gewerkschaftsmitglieder zu günstigen Konditionen einkaufen, ob es der Konsum war, oder eine Bestattung beim GBI.  Wir denken nicht nur an die Weltwirtschaftskriese, sondern auch die gigantische Inflation am Anfang des 20. Jahrhunderts, dass die Wertigkeit der Währung massiv untergraben hat, sprich die Kaufkraft enthöhlte. Das Deutsche Reich war damals doppelt und dreifach bestraft, weil durch die massivsten und brutalsten Reparationszahlungen in Goldmark und dem gleichzeitigen Raub von Schiffen, die an die Siegermächte fielen, konnte die Deutsche Wirtschaft den Aufbau des jungen Reiches im neuen Mantel der Demokratie kaum stemmen. Genau unter solchen Rahmenbedingungen konnten auch solch perverse Nationalströmungen entstehen, die Hitler schon seit den 20er Jahren bediente und immer stärken wachsen ließ. Das Ende vom nationalen Mythos und absurden Überhöhung kennen wir sehr gut, einhergehend mit Millionen von Ermordeten in der Deutschen Zivilbevölkerung, link.  Selbstverständlich gedenken wir auch den Millionen Verstorbener an den Kriegsfronten, die das Deutsche Reich eröffnet hat und damit die Verantwortung für den Krieg trägt. Die meisten Kriegstoten sind übrings in Russland zu verzeichnenen, wenn wir der Statistik von STATISTA glauben wollen.

Von und für Gewerkschaftler – Von Bruder zu Bruder, von Schwester zu Schester

Da ist es eine wunderbare Brücke, wenn man in geschlossenen Reihen von Gewerkschaftlern für Gewerkschaftler spezielle Angebote schneidert, die eo ipso vertrauensvoll und vorteilshaft sind, weil sie aus der gleichen Reihe, Gewerkschaft, kommen und von daher weder übergriffig in der Preisgestaltung, noch unangemessen in der Verkaufsführung waren. Eher die Ebene von Verbundenheit und gewerkschaftlicher Freundschaft war die Tragsäule der Unternehmensphilosophie, mission statement.  Auch heute gilt dieser Grundsatz nur erweitert:  Von Hamburgern für Hamburger bietet das GBI geflissentlich seine Leistungen werthaltig an und eine gute handwerkliche Leistung kann jeder GBI Kunde bekommen, ohne dazu über Gebühr tief in die Tasche greifen zu müssen.  Das liegt auch daran, dass die Berater des GBI nicht auf Provisionsbasis in der Beratung arbeiten. Das stärkt ihr Profil als BeraterIN.

Wenn du dich für solche gewerkschaftlichen Strebungen im aufkeimenden 20. Jahrhundert interessierst, dann solltest du dir das Gewerkschaftsmuseum anschauen, am Besenbinder Hof, das der verdiente Rechtsanwalt und Historiker Dr. Bösche gegründet hat, der jüngst leider verstorben ist. Wenn Du diesem Link folgst, kommst du zu unserem Bericht Genossenschaftsmuseum

 

Satzung des GBI Bestatter

Das GBI Großhamburger Bestattungsinstitut ist ein rechtsfähiger Verein, rV abgekürzt.  Diese Rechtsform ist völlig unbekannt und ungewöhnlich und wurde auch nur kurz nach dem 2. Weltkrieg noch vergeben. Auch das BGB Bürgerliche Gesetzbuch kennt den wirtschaftlichen Verein, in § 22 BGB.

§ 22 BGB Wirtschaftlicher Verein

Ein Verein, dessen Zweck auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist, erlangt in Ermangelung besonderer bundesgesetzlicher Vorschriften Rechtsfähigkeit durch staatliche Verleihung. Die Verleihung steht dem Land zu, in dessen Gebiet der Verein seinen Sitz hat.
Die Satzung des GBI möchte ich hier nicht zitieren,  Aber einen Auszug, dem Sinne nach:
„Wir verpflichten uns jedem Hamburger eine seinem sozialen und finanziellen Stand nach angemessene Bestattung zu ermöglichen und zu Preisen, die der Kalkulation eines ordentlichen Kaufmannes entspricht. Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung bewußt und möchten qualitätvolle Bestattungen zu geringen Preisen in Hamburg anbieten.“

GBI – feindlichen Übernahme im 3. Reich durch die NAZIS

Während das GBI immer eine Gewerkschafts-DNA hatte, und auch nach dem 2. Weltkrieg wieder hatte, gab es eine Zeit, in der Unternehmen entweder zur Liquidation gezwungen worden sind, oder feindlich, und zwar ohne rechtsstaatliche Mittel, übernommen worden sind.  In der Zeit wurden viele Mitarbeiter, insbesondere aus dem Führungskreis, der gewerkschaftlich orientiert war aus ihren Ämtern und Arbeitsverhältnissen gedrängt und die NAZIS haben den Betrieb bis zum Ende ihrer Diktatur-Herrschaft übernommen.

Neugründung des GBI  – Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand – Bestattungen

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das GBI Großhamburger Bestattungsinstitut neu gegründet und praktisch in den Zustand zurückversetzt, wie es vor der Nationalsozialisten-Übernahme in Hamburg seine Bestattungsleistungen, mit der oben genannten Selbstverpflichtung, angeboten hat.  Schnell wuchs das GBI in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts zu dem größten Bestatter in Hamburg heran und eine neue Filiale nach der nächsten kam hinzu. Damals war das GBI Großhamburger Bestattungsinstitut rV nicht nur ein Bestattungshaus mit vielen Niederlassungen, sondern es gab diverse weitere Betriebe, die sich rund um das Bestatten gruppierten:  Zum Beispiel an verschiedenen Standorten Steinmetze ( Ohlsdorf und Öjendorf), eine eigene Autowerkstatt ( Sommerkamp) eine eigene Sargtischlerei.  Ein eigener Friedhof wäre bestimmt auch auf dem Wunsch-Tableau gewesen, aber das hinderte das damals geltende Hamburger Bestattungs-Gesetz. Auch heute noch dürfen Friedhöfe nur Anstalten öffentlichen Rechts betreiben, oder kirchliche Träger.  Das GBI ist aber ein Privatunternehmen und damit nicht zulassungsfähig für einen eigenen Friedhof.

Damals war die Hauptzentrale gleich neben dem Hort der Gewerkschaften am Besenbinderhof. Von dort aus wurden alle Aktivitäten des GBI Großhamburger Bestattungsinstituts gesteuert und koordiniert. Es gab sogar Dienstwohnungen in dem großen Komplex und da ein Bestatter rund um die Uhr einsatzbereit sein muss, das gilt heute wie damals, war die Sicherstellung der 24/7 / 365 Tage im Jahr Dienstleistungsbereitschaft ein wichtiges Kriterium für Wachstum und Qualität. Höchstwahrscheinlich hat das GBI auch schon damals die sogenannten Polizeiüberführungen gefahren, als der größte Bestatter von Hamburg.  Schon bald konnte die Koordination der Einsatzfahrzeuge über Sprechfunk koordiniert werden und ich sehe noch ein Foto vor mir, wo die Damen in der Zentrale mit riesenhaften Funkgeräten ihre Mannen steuerten.

Öffnung des GBI für alle Hamburger – Bestattung

Als Marktführer hat das GBI schnell erkannt, dass sie nicht nur für Gewerkschaftsmitglieder das sein wollen, sondern für alle Hamburger Bestattungen anbieten möchten. So weitete sich der maximale Kundenkreis schnell und der gute Ruf der GBI trug zu einem deutlichen Wachstum des GBI bei.  Damals war der Beruf des Bestatters auch nicht existent und generell waren Bestattungen eher im Dunkelfeld der Gesellschaft angesiedelt.  Das änderte sich massiv im 21. Jahrhundert, vielleicht auch durch die Hospizbewegung, die seit den 70er Jahren in Hamburg den Tod und den Umgang mit präfinalen Ereignissen als sorgsames Terrain, das auch in der Öffentlichkeit Platz hat, in der Gesellschaft beheimatet hat.  Das HIV-Hospiz Leuchtfeuer ist ein schönes Beispiel für die Aufbrechung der bestatterischen Verborgenheiten. Heutzutage sterben kaum noch Menschen an HIV und das Hospiz Leuchtfeuer auf St Pauli nimmt eine ganz normale Stellung im Hamburger Hospizmarkt ein.

Zeitenwende und Zäsur GBI – Bestattung

Das GBI  war sehr erfolgreich in der Markterschließung in den nächsten Jahrzehnten und hat auch ein Produkt geschaffen, dessen Tragweite und geistiger Schönheit immer noch unbenommen und deswegen auch sehr gut im Hamburger Bestattungs-Markt von den Kunden, Auftraggebern, Trauernden angenommen wird. Nicht zu Letzt auch durch die Trauergruppen, die beim GBI kostenlos seit Jahrzehnten angeboten werden.  (Ich selbst war Teil der professionellen Trauerarbeit dort)

Bestattungs-Vorsorge des GBI – Bestatter

Schon in den 50er Jahren wurde das Angebot der Bestattungsvorsorge erdacht und ich habe persönlich noch die ersten, handschriftlichen Verträge in Deutsche Mark DM gesehen, die den Vertragsschluss über ein Bestattungsvorsorge dokumentierten. (Ich selbst habe viele Jahre für das GBI Vorträge über die Bestattungsvorsorge und deren Vorträge gehalten im 21. Jahrhundert.) Daher weiß ich auch wie probat und akkurat diese Verträge eins zu eins umgesetzt werden. Frau und Mann,  es leben das Gendern, FRAUMANN, MANNFRAU, können im Vorwege ihre eigene Bestattung festlegen, durchorganisieren, Einladungslisten hinterlegen, die Musik der Trauerfeier festlegen, und die Größe der Bestattungsfeier.  Das GBI gibt schon viele Jahrzehnte eine zeitlich unbegrenzte Preisgarantie auf die Bestattungsleistungen, d.h. alle Leistungen die vom GBI selbst erbracht werden.

In den 90er Jahren des 20 Jahrhunderts wurde ein neuer Geschäftsführer berufen: W. Litzenroth. Bis 2019 hat der Geschäftsführer das GBI geleitet. Nach anfänglichen stürmischen Zeiten zog die Hauptzentrale der GBI Bestattung um in die Fuhlsbüttler Str  nach Fuhlsbüttel, der sogenannten Bestatter-Meile.  Ein strategisch kluger Schachzug, denn einer der wichtigsten Anbieter und Geschäftspartner, der Ohlsdorfer Friedhof AöR  war in fusssprungweite zu erreichen. Ebenso diverse andere Dienstleister, wie Floristen und Steinmetze.

Schaffung eines eigenen Ausbildungsberufes Bestattungsfachkraft

 

Auch ein großes Verdienst des Geschäftsführers Litzenroth war die Mitschaffung eines bei der Handwerkskammer anerkannten Ausbildungsberufes, der Bestattungsfachkraft.  Die Lehrzeit beträgt 3 Jahre. Zur Professionalisierung des Bestatter-Berufes und der Bestatter-Gilde ist es ein wichtiger Schritt einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf zu haben.  Zwar ist die Ausbildung immer noch nice-to-have, aber beim GBI arbeiten inzwischen eine Reihe von Bestattungsfachkräften.  Ein Siegel für Qualität.  Vielleicht kommt in den nächsten 10 Jahren eine Zwangslegitimierung für Bestatter, die eine Ausbildung vorweisen müssen, aber derzeit ist der größte Deutsche Verband für Bestatter dagegen. Und zwar deswegen, weil die meisten Verbandsmitglieder keine solche Ausbildung haben. Ich habe selbst letzte Woche eine grauenhafte Bestattung als Teilnehmer im Ruhrgebiet erlebt. Sollte sich der  Düsseldorfer Verband fragen, ob mehr Qualitäts-Momente bei seinen Mitgliedern geprüft werden müssten.

Das GBI hat im Laufe seiner 100 jährigen Geschichte sehr, sehr viele Hamburger, HamburgerINNEN beerdigt und das immer im Lichte von Qualität und Preissensibilität.

In seiner sozialen Verpflichtung hat der GBI auch immer Sozialbestattungen übernommen. Viele andere Bestatter wollen lieber Geld verdienen und weisen Sozialbestattungen ab. Das dürfen die machen, denn jedes Bestattungsunternehmen ist Teil der Privatautonomie, d.h. es kann Kunden und Aufträge abweisen.

Auch hat das GBI in den letzten Jahrzehnten eine besondere Kompetenz für andere Bestattungs-Riten entwickelt. Weltoffenheit ist ein Teil der Identität der Stadt Hamburg, als hanseatischer Tradition und genau in diesem Fahrwasser versteht sich das GBI als Bestatter auch als professioneller Dienstleister bei ausländischen Bestattungsritualen.  Weltoffenheit als Unternehmensidentität steht jedem Hamburger Unternehmen gut zu Gesicht.

GBI Fachkompetenz – als Bestatter der Wahl

Die Fachkompetenz des GBI Bestattung s Unternehmens drückt sich auch in seinem exzellent ausgebildete Fachpersonal aus. Verschiedene Thanatologen tragen die Verantwortung für die Versorgung der Verstorbenen.  Die meisten anderen Bestattungshäuser in Hamburg haben gar keine Thanatopraktiker, Thanatologen. Mit anderen Worten: Egal mit welchen Anforderungen das GBI in Bezug auf Bestattungen konfrontiert wird, kommt das breit aufgestellte Haus perfekt klar.

Auch bei Auslandsüberführung von und in die ganze Welt ist das GBI mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung der perfekte Dienstleister.

Im Hamburger Abendblatt ist eine Feature über das GBI erschienen am 22.11.2020.  Wenn du einen Hamburger Abendblatt Account hast, kannst du den Bericht auch lesen, link.

Bildrechte pixabay CC  ScienceGiant

 

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter