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Abschiedsschmerz

Der Leiter des Recollectio Hauses, einer Teileinrichtung des Klosters Münsterschwarzach, Dr Ott denkt über Abschiedsschmerzen nach, ebenso wie die Psychotherapeutin Dr Paeth:

Zitiert aus dem RUF, 2/ 2017:

Den Schmerz zulassen Ruthard Ott und Corinna Paeth arbeiten als Psychotherapeuten im Recollectio-Haus in Münsterschwarzach und sprechen aus psychologischer Sicht über das Loslassen.

Redaktion: Was bedeutet „Loslassen“ aus psychologischer Sicht und warum ist es manchmal wichtig, etwas loszulassen? Ruthard Ott: Loslassen gehört einfach zum Menschen dazu. Menschsein vollzieht sich zwischen Abschied und Neubeginn. „Das Leben verweilt nicht am Gestern“, sagt Khalil Gibran treffend. Darüber hinaus hat Loslassen auch praktische Gründe: Wenn man alles, was man durchlebt, mit sich herumträgt, wird das irgendwann zum Ballast. Der Mensch kann neue Eindrücke nicht mehr verarbeiten, nimmt nur noch selektiv wahr. Hier kann die Gnade des Vergessens durchaus heilsam sein.

Corinna Paeth: Leider hat nicht jeder diese Gnade des Vergessens. Sei es, weil er bereut, was in der Vergangenheit passiert ist, sei es, weil ein Erlebnis zu intensiv war. Beides kann tiefe seelische Verletzungen verursachen, bis hin zu einer posttraumatischen Belastungsstörung, bei der der Betroffene immer wieder von Flashbacks (Rückblenden) überrollt wird. Spätestens an diesem Punkt ist es unerlässlich, dass man lernt loszulassen. Doch das ist nicht immer so einfach.

Redaktion: Wann und warum fällt das Loslassen schwer? Corinna Paeth: Schwer fällt das Loslassen bei gravierenden Ereignissen, die die Psyche nicht verarbeiten kann. Schwierigkeiten kann aber auch die individuelle Prägung machen: Jemand, der aufgrund seiner Lerngeschichte ein ausgeprägtes Bedürfnis hat, „everybodys darling“ zu sein, wird nur schwer mit Ablehnung zurechtkommen.

Ruthard Ott: Dass Loslassen schwer fällt, merken wir schon im ganz normalen Leben. Jeder von uns hat ein  angeborenes Bedürfnis nach Sicherheit, Überschaubarkeit und Vertrautheit. Wenn jemand dann beispielsweise gegen seinen Willen die Stelle wechseln soll, kann das sehr schmerzhaft sein, weil das gewohnte Gefüge auseinander bricht.

Redaktion: Welche Geschichten des Loslassens begegnen Ihnen bei Ihrer Arbeit im Recollectio-Haus? Ruthard Ott: Oft sind es persönliche oder berufliche Verletzungen, Kränkungen, Konflikte, innere Unzufriedenheit, weil gesteckte Ziele nicht erreicht oder gewürdigt wurden. Aber auch lebensgeschichtliche Verwundungen wie Verlassenheitserfahrungen, die mit Schmerz, Enttäuschung und Bitternis verbunden sind. Andere Menschen hängen an einem falschen Selbstbild, haben einen zu hohen Erwartungsanspruch an sich selbst und die eigene Berufung. …

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Bildrechte pixabay CC HelgaKa

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About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter