aa -Tagesimpulse Theater

acht Leben Thalia Theater

Ein Leserbrief an die Dramaturgie des Thalia Theaters

Grüß Gott,

 

ich hab von Literaturwissenschaften nur wenig Plan, bis auf meine 3000 Bücher in meiner Privatbibliothek. Dazu gehört auch die vollständige Ausgabe von Braunek „Die Welt als Theater“, die ich in der Staatsbibliothek in Berlin einmal komplett durchgeatment und durchgelesen habe, 1999. Leider habe ich nur Jura und Philosophie studiert.

 

Ich frage mich ein wenig, warum das oftmals geniale Thalia Theater, z.B. Edward III, soviel Raum gibt für die Inszenierung „sieben Leben“.  Leider kann ich sprachlich nicht die geringste Qualität erkennen, als auch nicht philosophisch oder psychologisch.

Familiensagas zu erzählen finde ich in generale einen recht dürren Ansatz, um die Welt zu verändern. Zumindest dann, wenn man transgenerationale Vererbungen von Traumata, Verhaltensschematismen,  whatever nicht in seinen Erzählstrom einwebt. Die Epigenetik ist ein nettes neues Erkenntnisfenster des Seins und der Verhaltnsweisen von Menschen, dass die Autorin aber nicht bedient hat.

 

NO GO – Mord auf der Bühne am ungeborenen Leben

 

Besonders ekelhaft, pervers, unbotmäßig und emotional verletzend fand ich die Abtreibungs-Szene mit dem Schwall von Blut auf den heiligen Bühnenbrettern. Für feinsinnige Menschen, wie mich, ein Grund sofort sich geistig und körperlich zu übergeben.  Warum muss Dramaturgie-Regie solche Bilder auf die Bühne bringen?  Ginge es nicht ein wenig feinstofflicher?  Wenn ich alleine gewesen wäre, wäre ich sofort rausgegangen, wie übrings andere Zuschauer des Gemetzels es taten.

 

Redundanz

 

Ich lese gerade zum 5 x mal die „Unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ – der Topos des Terror-Regimes in den Warscher Pakt Staaten, rsp UDSSR  wird dort bestens ausgebreitet und durchleuchtet in all seinen Dimensionen.   Ich fand im Erzählstrom der „sieben Leben“ keine neuen Erkenntnisquellen, die besser die damalige Seelenlage schilderten, als bei dem Meister Kundera.

 

Wie das „Hamburger Abendblatt“ voller Überschwang schrieb, haben die Regisseurin und Autorin zusammen studiert.  Kann ja wohl keine dramaturgischen Begründungsebene liefern ein Stück auf die Bühnen zu bringen…

 

Ich guck mir lieber zum dritten Mal Edward III an, oder die verlustig gegangenen Autorentheatertage im geistigen Rückblick, die wirklich das Theater-Seelen-Herz bewegt haben.

 

Viele Grüße aus Hamburg Nienstedten

 

 

 

 

 

 

 

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter