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Arkadien

Arkakardien
Written by Giovanni

Was verstehen wir unter Arkadien? Ein Sehnsuchtsort mit Gedankenbrunnen.

a) kunstgeschichtliche Erklärung von Arkadien

In der Kunstgeschichte nennt man Arkadien Landschaftsdarstellungen idealisierte Sehnsuchtsorte, zurückgehen auf den Mythos, das in Arkadien der ideale Lebensort für Mensch und Tier sei, im Einklang mit der Natur und im Eins-Sein mit der Welt und Sein. Ohne Kampf und Krieg lebt von friedlich nebeneinander her. Verschiedene Philosophen haben immer eine Grundannahme von Naturreinheit von Gesellschaft vorgenommen, um darauf aufbauend dann zur heutigen Gesellschaftsform zu kommen.

Eigentlich könnte man auch die Romanwelt von Heidi als etwas arkadisches bezeichnen. Hier weiterlesen über die Romanstruktur von Heidi link.

Arkadien

b) geografische Erklärung von Arkadien

tatsächlich gibt es Arkadien in der Mitte von Griechenland auch als LandschaftArkadien geografisch

c) psychologische Analogie des Arkadien, bzw. des Arkadienhaften

Sehnsuchtsorte habe verschiedene Dimensionen. Die Toskana gilt den nasswetterverseuchten Deutschen als Sehnsuchtsort, wo mein seinen Wein selbst keltert und von den Systemimperativen der Welt völlig frei agieren kann.  Ob es der Wirtschaft in Mittelitalien wirklich gut geht mag dahingestellt sein. Sich das Leben in der reinsten Phantasie und Fiktion einfach immer nur schön, bunt und hübsch zu malen, vulgo arkadisch, ist zwar eine Seinsform, aber völlig entfremdet von der Hier- und Jetzt-Welt. Man muß schon geerdet in dem Umraum von Welt leben, in dem wir und unsere Seele von einer höheren Macht hineingegeben worden sind. Wir dürfen uns mit der Welt verheiraten und uns mit unserem Sein in sie hineinweben.

d) Arkadien versus Realitäts-Imperalisten

Sich im Arkadischen, idealistischen zu verlieren ist keine gute Weltpositionierung, aber das arkadische als Projektion und Lebensentwurf gänzlich aus seinem eigenen Seinsgefüge zu streichen ist auch keine gute Lösung, denn im Arkadien wird die Schönheit und Ungebrochenheit des Seins gelebt und gefühlt.

Immerhin gab es in Deutschland eine ganze Literaturepoche und Philosophie-Epoche, die man wissenschaftlich den Idealismus nennt und die wirkmächtig in der ganzen Welt in den nächsten 200 Jahren wurde.

Die Journalisten und die von ihnen strukturierte Welt vernebelt unseren Geist mit den Schlechtigkeiten dieser Welt und es gilt immer der Grundsatz “ only bad news are good news“. Aber wir als Entscheider über den Nachrichtenfluß in unserem Leben können auch darüber entscheiden, ob wir uns den Imperalisten der Schlecht- und Dunkelnachrichten ausliefern, oder ob wir eine klare Grenzziehung vornehmen. Es gibt keinen ethischen, oder moralischen Grundsatz, egal aus welcher Philosophie-Richtung der letzten 2000 Jahre man kommen mag, der einem befielt, alle schlechten Nachrichten dieser Welt in seiner Seele platz nehmen zu lassen. Grenzziehungen sind eine der wichtigesten Wegweiser in unserem Leben. Die Journalisten behaupten immer, dass es einen Weltgeltungsgrundsatz gäbe, der heißt, man muß immer auf dem letzten Stand der Nachrichtenlage sein, aber in Wirklichkeit ist das nur eine systemische, inhärente Gesetzmäßigkeit, die keinesfalls mit philosophischen Imperativen in Einklang zu bringen ist. Jeder darf sich die Welt so malen, wie es einem beliebt.

Wäre es doch so schön, wenn wir ein Stück unseres Lebens, nicht das Ganze, zeitstückweise in Arkadien verbringen könnten ( 19.2.16)

arkadien


 

Wiki schreibt:

Die Arkadier galten im Altertum als raues Hirtenvolk. Gewisse Charakterzüge Arkadiens lassen sich durch seine isolierte geographische Lage erklären. Seine Einwohner sehen sich als das älteste griechische Volk überhaupt an. Schon in der Zeit des Hellenismus wurde Arkadien verklärt zum Ort des Goldenen Zeitalters, wo die Menschen unbelastet von mühsamer Arbeit und gesellschaftlichem Anpassungsdruck in einer idyllischen Natur als zufriedene und glückliche Hirten lebten. Noch heute werden mit Arkadien Orte mit einem glückseligen idyllischen Landleben bezeichnet. Entsprechend war es das ideale Thema der antiken bukolischen Literatur (beispielsweise der Hirtengedichte Vergils), aber auch der reichen bukolischen Literatur der europäischen Renaissance und des Barock sowie zahlloser Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts. In der antiken lateinischen Literatur wird der ursprünglich in Griechenland befindliche Ort oft nach Sizilien verlegt.

Rezeption des Arkadischen Traums in der Frühen Neuzeit

 
Landschaft bei Leonidi.

Aus dem Mythos Arkadien wurde in der Frühen Neuzeit die Vorstellung gewonnen, es sei Leben jenseits gesellschaftlicher Zwänge möglich. Dies waren in ihrem Kern politische Phantasien, die vor allem vom Hochadel geschürt wurden, der unter dem politischen Druck des sich stabilisierenden frühneuzeitlichen Staates unter erheblichen Disziplinierungsdruck geriet. Unter der Oberfläche dieses aristokratischen Eskapismus wurde die Idee einer individuellen Freiheit geboren und gewahrt, die zwar die Freiheit des Großadligen meinte, aber bereits seit dem 17. Jahrhundert in den Niederlanden, dann aber seit dem 18. Jahrhundert auch in Frankreich und Deutschland vom Bürgertum beerbt wurde.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Traums von arkadischer Freiheit war die Schäferideologie, ein vielfältig zusammengesetztes Ideensystem, deren Kern die Pastoralliteratur und deren Verarbeitung zu Motiven der dekorativen Künste seit dem 17. Jahrhundert ist. Gemäß dieser Vorstellungen fliehen Adlige vor der unerträglich gewordenen Gesellschaft aufs Land, verkleiden sich dort als Schäfer und treten mit den dort wirkenden „echten“ Schäfern in Kontakt. Thema der Handlungen dieser Literatur-Schäfer oder Bücher-Hirten ist vor allem die Liebe. Gelegentlich wird aber die Schäferidylle massiv von der Realität eines gewalttätigen Lebens (so in der Galatea von Miguel de Cervantes) oder der Ritterwelt und ihrer Kriegshandlungen (so in der Astrée von Honoré d’Urfé) heimgesucht, was bei allem Symbolismus der Pastorale einen deutlichen Zug zum Realismus darstellt. Auch der Tod, der in Nicolas Poussins Arkadischen Hirten auf sich selbst mit einer autoreferentiellen Inschrift auf dem Epitaph verweist, spielt auf der symbolischen Ebene des mythologischen Bildes eine der Wirklichkeit analoge Struktur durch: nämlich die zum wirklichen Leben gehörige Präsenz des Todes inmitten eines glücklichen Lebens.

Was zunächst lediglich als Maskenspiel erschien, wurde in der symbolischen Selbstpräsentation von Adligen zum Bildprogramm: Aristokraten ließen sich im Schäferkostüm malen und setzten sich als Hirten in Szene. Dies war die symbolisch überhöhte Form, mit der die archaische Vorstellung, wonach der Herrscher auch immer ein Hirte seines Volkes sei, in der Neuzeit als Bestandteil adliger Herrschaftsansprüche und Machtlegitimation überdauert und aktualisiert wurde.

Zur Rezeption der Idee vom glücklichen Arkadien gehörte auch, dass das Gebiet, über das ein Adliger seine Territorialherrschaft ausübte, als ein neues Arkadien vorgestellt wurde. Auf diese Weise entzogen die Aristokraten wenigstens auf der symbolischen Ebene ihr Einflussgebiet der Macht der königlichen Zentralgewalt.

Entsprechende arkadische Landschaften gab es im Europa der Frühen Neuzeit vor allem als literarisch vermittelte Konstruktionen und Phantasien. So ließ Honoré d’Urfé in seiner Heimat Le Forez (heute im Département Loire) die Handlung seines Schäferromans L’Astrée spielen. Le Forez verwandelt sich auf diese Weise wenigstens im poetischen Bild in eine neuzeitliche arkadische Landschaft. Ähnliche Phänomene konnte man überall in Europa feststellen, insbesondere im Kontext von gartenbaulichen Bemühungen. Ein weiteres Beispiel ist die Bördelandschaft bei Schloss Hundisburg.

 

Bildrechte: Institut für Lebensberatung und Lebenskunde, Kloster Münsterscharzach, 2015, 2017

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About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter