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digitaler Nachlass

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Written by Giovanni

digitaler Nachlass ist die Bezeichnung von Spuren im Internet, die ein Verstorbener hinterläßt und die Notwendigkeit sich dringend um die Bewahrung der Konten zu kümmern

Ankündigung

Wie definiert man digitalen Nachlass ? Alle Bezüge und Belegenheiten, die sich in der virtuellen Welt abspielen. Wenn ein Individuum verstirbt, hinterlässt er/sie eine Reihe von digitalen Spuren und gleichzeitig aber auch juristisch relevante Verpflichtungen in Form von Forderungen gegen x, y, z. und auch tw. von Forderungen gegen die Person in Form von Dauerschuldverhältnissen, wie Miete etc.  Auf einer Konferenz im Hamburger Bestattungsforum wird am 24.11.2016 beleuchtet, wie wir mit dem digitalen Nachlass gut umgehen können. Es kommt eine promovierte Juristin und die Firma „Columba“ aus Berlin, die sich auf die digitale Nachlassverwaltung spezialisiert hat. Hier bekommst du die website der Konferenz dignita16, link.

Auch die FAZ schreibt im Januar 2017 über den digitalen Nachlass, hier könnt ihr den Beitrag nachlesen, link.

Update 2017: das Kammergericht Berlin hat in einer langen Entscheidung über die Rechtsnatur von Facebook-Accounts entschieden und festgestellt, dass es nicht vererbbar ist und die Erben kein Recht haben in den Gedankenströmen des FB-Nutzers zu wühlen. link.

Kongressbericht digitaler Nachlass 2016

Die Konferenz war gut besucht mit 60 Teilnehmern, teilweise hochkarätig, wie dem Geschäftsführer des Bundesverbandes der Bestatter Oliver Wirthmann. Ganz spannend die Gedankenperspektiven von Bloggern, die jenseits der 50 sind, die in „digitalen Dörfern“ leben und sogar noch in verschiedenen „digitalen Dörfern“. Was passiert im Todesfall mit den digitalen Spuren? Wie wird in den digitalen Dörfern getrauert?  Braucht es Anbieter, die im Todesfall die Freudesliste per SMS informieren über den Tod? Davon waren auf der Konferenz eine große Zahl zu finden. Der digitale Nachrichtentresor ist eigentlich eine treffliche und hübsche Idee.  In dem Tresor könnten dann auch unterschiedlichste Nachrichten für die unterschiedlichen Freundinnen hinterlassen werden. Ein Start-Up, Allianzfinanziert, arbeitet an so einem Projekt.

digitale Spurenbeseitigung selbst anleiern?

Die Stiftung Warentest hat einen Vortrag hinterlassen, der darstellte, wie man vor 2 Jahren, sic!, es schaffen konnte, oder auch nicht schaffen konnte, sich von den diversen Portalen selbst abzumelden. Nach m.E. sollte man dafür für kleines Geld ein professionelles Unternehmen einschalten, die mit vielen Gesprächen ex ante mit den üblichen Verdächtigen, wie paypal, ebay, facebook gesprochen haben und einen definierten , ganz eigenen Prozess definiert haben, um eine schnellstmögliche Übertragung oder Stillegung und Löschung von digitalen Spuren in Form von Email-Konten, sozialen-Netzwerk-Einträgen, und Geldauskehrungen zu ermöglichen.

ungewollte Löschungs-Automatismen der Email-Anbieter

Insbesondere fand ich eindrücklich, dass man bei den kostenlosen Webportalen, insbesondere Email-Anbietern super aufpassen muss, um nicht alle Daten zu verlieren. Bei www.web.de zum Beispiel werden alle Daten nach 6 Monaten gelöscht, ohne große Vorwarnung. Also sollte man auch hier schnell agieren und die Daten sichern, indem man sich mit den alten Zugangsdaten einloggt.  Auch wenn google Plus in Wirklichkeit keiner benutzt, sollte man wissen, dass man dort auch selbst einstellen kann, wann das Konto sich auflösen soll. Beispielsweise nach 6 Monaten keinerlei Nutzung.

Digitaler Nachlass update 2019

Hier eine kleine Vorausschau, wie viele tote Facebook Accounts es im Jahre 2100 geben wird, unter der Voraussetzung, dass es Facebook dann noch geben wird. Hier klicken.

Zugangsdatensicherung klassisch

Damit manfrau auch im Todesfall weiter agieren kann mit den digital-Wegen und Zugängen, ist es bedingungsnotwendig, dass die Zugangsdaten hinterlegt sind, bei einen guten Freund, oder in einem digitalen Safe.  Selbstverständlich können Sie auch in einem altbackenen Safe oder Aktenordner hinterlegt werden, die Passworte. Beachtenswert ist aber,dass alle Passwortänderungen dort eingetragen werden müssen. Total unklug ist es auf seinem Rechner eine Datei anzulegen mit dem Titel Zugang oder Passwort, denn die bösen Trojaner und sonstigen Viren freuen sich dann besonders, wenn man sich freiwillig bloßstellt und auszieht.

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Was sind eigentlich Digitale Hinterlassenschaften, Spuren und Einträge?

Um ein genaueres Vorstellungswelt zum digitalen Nachlass zu entwickeln, hier ein paar Beispiele von digitalen Unternehmen, die wir uns gut vorstellen können.

1. e-commerce Verträge mit online-Händlern, wie www.otto.de, www.flug.de, et al

2. Internetbanken wie Pay-Pal, ING-DIBA

3. Wettunternehmen www.lotto.de

4. social Media – Twitter, Facebook, Instagramm

5. Emailkonten

digitaler Tresor für Passworte

Klug ist es eine Liste für seine Nachwelt zu fertigen, in der die Vertragspartner hinterlegt sind und die jeweiligen Zugangswörter. Diese List muss so gut zu finden sein, dass der Nachlassverwalter oder die nächsten Verwandten die gut finden können. Digitale Tresore gibt es entweder auf dem SMART Phone als APP, oder bei Anbietern, wie das Start-Up aus München, Digital Heritage, link. Alle relevanten Zugangsdaten werden im digitalen Tresor hinterlegt und eingesperrt und werden im Bedarfsfalles ausgegeben.

update 2018 – BGH Entscheidung

der BGH hat entschieden, dass Facebook die Daten von Verstorbenen Facebooknutzern nicht einfrieren darf, sondern muß sie an die legitimierten Erben rausgeben, hier weiterlesen.

Digitaler Nachlass 2020

eine aktuelle Studie zum Digitalen Nachlass aus 2020 kannst du verfolgen, wenn du diesem Link folgst.

digitalen Nachlass finden ohne Passwörter – es geht mehr, als man glaubt

Wenn man als Erbe oder Nachlassverwalter weiß, dass der Verstorbene auf jeden Fall im Internet Geschäfte getätigt hat, der kann sich an einen guten Bestatter wenden, der die o.g. Firma Columba im Programm führt. In Hamburg ist das das GBI, hier klicken. Columba kann aufgrund einer feinsinnigen, juristisch gut durchgeprüften Verfahrensanordnung und vielen Verträgen mit ecommerce-Anbietern das Geld für die Erben finden und das sogar ohne das Wissen, bei welchen Unternehmen Verträge geschlossen worden sind und ohne jede Passworte. Es scheint seltsam und ein bisschen komisch, dass Columba das kann, aber die Wege über neutrale Server und verschlüsselte Daten sind überprüft und für rechtsadäquat befunden worden. Columba sitzt in Berlin und hat sich in den letzten Jahren eines guten Wachstums erfreut.

digitalen Nachlass finden ohne Passwörter II – Modell II

Eine ganz klassische Variante, wie man an den digitalen Nachlass eines überraschend Verstorbenen herankommt, ist der des legetimierten Hack. Man übergibt die Daten, die in den eingeschlossenen PC verborgen sind,  eine IT Spezialisten, der dann die Festplatte ausliest und Dateien analysiert. Einer dieser Anbieter hat mir erzählt, dass es dazu auch ein bisschen detektivisches Vorgehen bedarf. So konnte ein eigenes Konto entdeckt werden, dass nur dazu diente, die geheim-verborgene Spielsucht des Nutzers, oder Spielleidenschaft des Nutzers zu füttern mit Geld. Insbesondere bei ausländischen Wettanbietern muss man sehr genau forschen, denn dort können auch relevante Geldbeträge noch schlummern, die es im Erbfalle zu bergen gilt durch IT-Dienstleister.  Hier wäre der Sponsor der Konferenza zu nennen „Digitales Erbe Fimberger“, link. Die Firma zeichnet sich aus durch eine weltweite Datenrecherche. Auch sehr sympathisch das Angebot einer Digital-Vorsorge, link. Insbesondere bei einer verantwortlichen Unternehmensführung ist es wichtig, dass das Unternehmen weiterfunktionieren kann, wenn der Verwalter der digitalen Welt, oder der Geschäftsführer länger ausfällt, oder gar für immer , überraschend, ausfällt.

Mein digitales Erbe für die Nachwelt

Juristisch finde ich ganz spannend, wie es sich verhält mit dem Verhältnis zwischen dem Wunsch des Verstorbenen, der auf „Ewig“ sein digitales Sein perpetuieren möchte, und dem Wunsch der Erben, dass alle Spuren gelöscht werden sollten.  Wenn wir im Wege eines Testaments festlegen, dass unser Facebook-Dasein nicht gelöscht sein möge, so muss der Erbe, Nachlassverwalter das berücksichtigen.  Natürlich könnte man auch ein digitales Testament aufsetzen, was sich insbesondere um die Digital-Spuren in der 21. Jahrhundert-Online-Welt bekümmert. So könnte das Institut für Lebenskunde ein Vermächtnis aufsetzen, im BGB geregelt in § 1939 BGB, in dem festegelegt wird, dass dieser Blog noch 20 Jahre nach dem Ableben des Autoren weiter online verfügbar sein sollte. Das gilt natürlich für jeglichen privaten und geschäftlichen Websides die in den digitalen Dörfern umherschwirren und manchmal sogar eine sich ausbreitende Relevanz haben.  Unter der Prämisse, dass der IT-Standart, unter dem das WWW aufgesetzt ist, auch in 20 Jahren noch so funktioniert, braucht man nichts weiter tun, als dem Provider die Hostingkosten im Voraus zu überweisen und schon ist das digitale Andenken gesichert.

Virtuelle Friedhöfe

Virtuelle Friedhöfe sind nicht wirklicht förderlich für die eigenen Trauerprozesse, so der erfahrene Trauerbegleiter Holger Wende.  Ein interessanter virtueller Friedhof ist im Netz als Repräsentanz des echten Friedhofs, sein Abglanz und Spiegelbild entstanden unter Federführung des deutschlandweit bekannten und leider verstorbenen Bestatters Fritz Roth. Hier könnt ihr in seinen virtuellen Friedhof reinsurfen – link.  Wie man sieht hat es mit der Online-Trauerbekundung noch nicht wirklich eine große Relevanz bei den einzelnen Gräbern bekommen. Also sollte man diese technische Spielerei nicht überbewerten.

Ob man für digital-Dörfer einen Friedhof braucht, wenn ein virtueller Spieler nicht mehr online ist, möchte ich dahingestellt sein lassen.  Inhärent gedacht könnte es Sinn machen, denn die Wesenheit hat im Kreis der Bewohner des DIGI-Dorfes Vergangenheits und Seins-Spuren hinterlassen. Also könnte man auch Trauer, Verlustschmerz in virtuellen Seins-Räumen empfinden und es gäbe Anlass diese auszudrücken.

Virtuelle Trauerräume

Ein ganz hübsches IT-Projekt ist ein elektronisches Gedenkportal mit dem Namen Aspetos. Gegründet in Österreich konnte es in Deutschland einen größeren Verbreitungsgrad erreichen. Hier kann man selbst, oder der Bestatter einen Todesfall einstellen, mit Bild oder Traueranzeige und jeder der um dieses Portal weiss, der kann dort, nach Anmeldung, Kondulieren, oderund Kerzen des Gedenkens entzünden. Weitere Infos dazu hier.

Facebook und die Endlichkeit

Bei Facebook gibt es ohne Passwörter die Möglichkeit das Profil in einen Gedenkzustand zu versetzen. Der Erbe kann auch verlangen, dass das Profil gelöscht wird. Wenn man die Zugangsdaten hat, kann das Profil natürlich „ewig“ in der gleichen Form weiterleben. Den Gedenkzustand kann man bei Facebook anregen, indem Freunde Facebook schreiben, dass user x verstorben sei.  Man sollte aber super vorsichtig sein, denn gerade vor wenigen Wochen führte ein Programmierfehler von Facebook dazu, dass viele 10.000 Konten vermeintlich als Verstorbener User gekennzeichnet wurden und dementsprechende Nachrichten an den FReundeskreis verschickt worden sind. Zum Glück war es nur ein Programmierfehler. Also extrem misstrauisch sein in der digitalen Welt. siehe auch hier

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Podiumsdiskussion Digital-Konferenz Hamburg

Bildechte Pixabay CC  stevepb, Institut für Lebenskunde,und Lebensberatung, November 2016

Hier das Tagungsprogramm in Reinform:

 

9:30–10 Uhr: Begrüßung/Einführung

10–11 Uhr: Die Entwicklung des Themas digitaler Nachlass – Menschen und Märkte (Birgit Aurelia Janetzky, Semno Consulting)

11–12 Uhr: Digitaler Nachlass – ein Verbraucherproblem? (Simone Vintz, Stiftung Warentest)

13–14 Uhr: Podiumsdiskussion „Digitaler Nachlass: Bewahren oder löschen?“ mit Elisabeth Noltenius (Digital Heritage), Christoph Huebner (anera), Dr. Christopher Eiler (Columba) und Kai Lociks (Verband unabhängiger Bestatter)

14–15 Uhr: Digitaler Nachlass aus juristischer Perspektive (Dr. Antonia Kapahnke, ehem. Kutscher)

15.30–16.30 Uhr: Von digitalen Geisterwesen und Untoten: Mein digitales Leben nach dem Tod (Wibke Ladwig, Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt)

16.30–17.30 Uhr: Digitaler Nachlass aus Sicht der Medien- bzw. Netzwerksoziologie (Dr. Stephan Humer, Hochschule Fresenius Berlin)

update 2018  Wie finde ich Geld als Erbe?

Wenn du Erbe bist, aber die Kontodaten verloren gegangen sind, z.B. durch den Umzug ins Altenheim, so gibt es zentrale Nachforschungsstellen. Hier weiterlesen.

update 2018 .  BGH Urteil erwartet

Der BGH wird im Sommer 2018 das lang erwartete Facebook-Urteil treffen, link.

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter