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Fontainhead Thalia Theater

Fontianhead
Written by Giovanni

Fontainhead Thalia Theater

Nach m.E. ist Fontainhead am Thalia Theater eines der besten Stücke der letzten 10 Jahre an dieser Stätte der ungebrochenen aufklärenden Kunst. Wie verhält es sich zwischen den echten Künstlern, echten Weltbegabten und den Aufschneidern?  Wie ist es, wenn man für sein Werk einhornig brennt? Sollte man sich dem Markt hingeben, oder bei sich und seiner Haltung bleiben.  Das Zauberwort des Abends heißt

Integrität

Howard Roark  ist ein radikaler Künstler / Architekt. Wenn seine Häuser-Ensembles vergewaltigt werden durch andere Architekten fühlt er sich in seinem innnersten Sein verraten und greift zu extremen Mitteln.

Sein Antagonist ist der karrieregeile Student von ihm Peter Keating.  Beide gehen nach NYC  und laufen sich ständiglich über den Weg. Dummer Weise ist der hochbegabte Einhorn-Künstler Howard R überhaupt nicht marktkonform. Er schöpft aus sich selbst, ganz so wie I. Kant das in der Kritik der Urteilskraft formuliert hat mit dem ambitionierten Grundgedankenkostüm: Der Künstler als Genie. (In der degenerierten Literaturwissenschaft des 21. Jahrhunderts wird dieser Genie-Gedanke massiv bestritten – auch ein Ausweis einer überproportionalen Gleichmacherei der Vermassungs-Sozialisten)

Die Kunden interessieren den Genie-Künstler nur am Rande, eigentlich gar nicht. Da ist sein erwachsen gewordener Student durchaus geschickter und läßt sich von seinem genialen Meister nicht nur coachen und bei den Entwürfen beraten, sondern verkauft die auch gerne ausschließlich unter seinem Namen. Eine nicht ganz aufgelöste harmonische Familien-Situation im Sinne einer systemischen Aufstellungsarbeit. Eigentlich hassen die beiden Architekten sich, so scheint es. Über vier Stunden wird im Stück Fontainhead über die Beziehungs-Konstellationen zwischen den beiden „Künstlern“ erzählt. Vom Verrat an der Freundschaft, bis zur Benutzung des wankelmütigen Integritätslosen, von der Hand-Reichung bis zum Mädels-Liebes-Betrug.

Echte Integrität in seinen Grundfesten haben genau zwei Säulen im Stück,  Howard und seine Herzensdame Dominique. Die durchzuhalten in der Lebensprügelei, in den Lebensbezügen der upper class in NYC ist nicht einfach und oftmals werden halbseidene Wege beschritten, die naturgemäß bei Einhörnern nur von kurzer Dauer sind, denn ihre Integrität läßt sich erstrahlen in der Gesellschaft der ewiglichen Biegsamkeit der anything goes.

Als dritte im Bunde in der Melange a trois ist die Architekturkritikerin Dominique Francon, die eigentlich in ihrer straighten Lebensauffassung klar Position für den Künstler in Reinform bezieht. Dennoch heiratet sie den ideenlosen Kopisten-Karrieristen Peter. Natürlich nicht aus Liebe, sondern um das System zu verletzen und vielleicht auch sich selbst. Seelische vorsätzliche Selbstbeschädigung – was für eine Lebensbeleidigung und exzessive Degeneration der Gefühlswelten.

Nebenschauspieler sind der Medien-Mogul Gail Wynand, der Dominique auch geil findet und weiß dass sie ihn nicht liebt. Für 250.000 Dollar kauft er die Ehefrau dem looser und Gedankenzerfetzer, den NON- Integritäts- player Peter ab. Gleichzeitig gibt er Peter einen großen Bauauftrag. So seine eigenen Messwerte und Bewertungsmuster für die Beweglichkeiten und Gegebenheit der Welt über Bord zu werfen kann man nicht anders werten als geistige Prostitution.

Der Nebenschauspieler Gail formuliert seine Einstellung zur Integrität:   Ich hasse alle Leute mit Integrität. Mein Ziel ist es sie zu brechen. Ich kaufe einen begabten Dirigenten für meine Zeitung damit er nie wieder vor einem Orchester steht.  Den lyrischen Literaten lasse ich über Sport schreiben.  Spannend, dass sie Gail dann doch mal auf die Integritätsseite schlägt und damit grandios scheitert.

Insbesondere ist dieses Stück auf gut geeignet für die BILD Zeitungs-Mitarbeiter, wenn sie ein Interesse an moralischer Integrität haben, denn die Impulskraft der Vermassung als Richtmaß zu nehmen ist moralisch keinerlei Gründung von Gut-Böse. (Philosophie-Studium 1. Semester – indische Witwenverbrennung.)

Eine schlüssige und sehr dichte Inszenierung von Johan Siomons, link.  Schauspielerischen Leistungen die herausgehoben waren Jens Harzer, link und Marina Galic, link

Wenn du Karten kaufen möchtest für diese geniale Inszenierung, dann surfe auf die Thalia Seite, es gibt einen guten online-Kartenschop., link

Das Thalia Theater schreibt über das Stück Fontainheaed

Wie autonom sind wir – im Denken, in der Kunst, in der Liebe? Mit seiner Vision einer radikal neuen Architektur macht sich Howard Roark nur Feinde. Sein Freund und Kollege Peter Keating dagegen passt sich an, entwirft, was der Markt verlangt – und hat Erfolg. Die Architekturkritikerin Dominique Francon, kompromisslos idealistisch wie Roark und von ihm fasziniert, besteht nicht nur im Kampf der Geschlechter auf Unabhängigkeit. Der Journalist  Toohey dagegen predigt sozialistische Ideen, um die Massen gegen jede Form von Individualismus aufzubringen und gefügig zu machen. Als der lebensmüde Medientycoon Gail Wynand in seinen Zeitungen die öffentliche Meinung lenken will, eskaliert der Kampf der Ideen.

Vor der russischen Revolution in die USA geflohen wurde Ayn Rand mit ihrer Philosophie des Kapitalismus und der strikten Ablehnung des Sozialstaates zur Heldin der amerikanischen Konservativen. In der Gegenüberstellung von Individualismus und Kollektivismus wirkt Fountainhead, 1943 erschienen, wie eine Blaupause aktueller Konflikte. Wie marktkonform ist Individualität in einer eskalierenden Mediengesellschaft? Und können wir in neoliberalen Zeiten tatsächlich auf Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt verzichten

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter