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Gefahren am Lebensende

Patientenverfügung
Written by Giovanni

Der Palliativmediziner, Jahrgang 1967,  Dr. med. Matthias Thöns hat ein Buch geschrieben über die Versorgungsmöglichkeiten am Lebensende und in welcher Weise das medizinische Kombinat aus Krankenhäusern die Möglichkeiten einer vermeintlichen Lebensverlängerung ausnutzt, um schlichtweg Geld zu verdienen. Deswegen kann man auch ohne Einschränkungen sagen:

Gefahren am Lebensende – nicht jede Therapie in der Praefinal-Phase, link,  ist sinnvoll

Ausführlich führt der niedergelassen Arzt und Palliativmediziner  an diversen cases aus, was bei schwerst verletzten Patienten alles an Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft wird, ohne das es eine erlösende Möglichkeit von Heilung oder Besserung gibt. Das gleiche gilt bei Patienten, die hochaltrig mit voller Kraft auf den Tod zusteuern, aber die Technik-Medizin-Gesellschaft mit allen technischen und pharmazeutischen Mitteln sich gegen den Tod stemmt. Das System sprengende Zauberwort heißt Überversorgung, weil es die Medizin-Technik hergibt, die sich als selbstreferentielles Altarbild über die Macht des Todes zu legen scheint.

Hier kannst du das Buch von Dr Thöns bestellen, link. 11 € als Taschebuch, 22  € als gebundenes Buch, link.

Der Grundsatz aller Medizin und Eingriff in den menschlichen Körper eines Patienten ist die Chance auf Besserung, die Chance auf Schmerzlinderung und letztendlich die Chance auf Heilung.

Dr med Thöns erklärt uns in seinem Buch, dass oftmals das ganze Arsenal der Medizintechnik keinesfalls zu einer Lebensverlängerung führt, sondern tw. auch zum Gegenteil und das um den Preis einer meist sehr schmerzvollen Therapie, oder OP, Operation.  Warum werden solche absurden Therapiewege vom behandelnden Arzt, auch mal ein Professor dem Patienten oder Angehörigen nahegelegt?  Weil die Klinik damit massiv Geld verdienen kann und der Arzt vielleicht auch in seinem Studium gelernt hat nie aufzugeben, egal wie aussichtslos die Lage ist.

ABER der Tod läßt sich durch uns Menschenkinder , ach Ärzte nicht letztendlich besiegen. Der Tod ist ein konstitutiver Teil unserer Menschlichkeit. Wenn man den Tod als Mitspieler im Leben, als natürlichen Mitspieler im Lebenslaufe akzeptiert, kann man auch entspannter mit der praefinalen Lebensphase umgehen, in eine Palliativversorgung einwilligen, weil man dann schmerzfrei bis schmerzgemindert in den Transformationsprozeß eintauchen kann und so das andere Ufer der Jenseitigkeit ohne Aufbäumen der Medizintechnik erreichen kann.

Patientenverfügung wirkungslos?

Dr. med. Thöns führt aber aus, dass der System-Imperativ Maximalversorgung immer angewendet wird, auch dann, wenn es eine eineindeutige entgegenstehende Patientenverfügung gibt, die das hindern soll.  So werden praefinale Patienten noch teuer operiert, noch die Chemotherapie der dritten Linie angefangen, obwohl es überhaupt keinen Sinn macht, naturwissenschaftlich gesprochen.  Sinn macht es aber für die Abrechnungen, weil sich die Krankenkassen nicht gegen die Rechnungen wehren können, denn die Indikationsstellung der OP oder Chemo macht der behandelnde Arzt und zwar völlig ungebremst. Wenn man sich gegen seine Vorschläge stellt, ist der Oberarzt beleidigt und ruft der Schwester im Flur zu „Verfault ihre Mutter schon?„.   Mit würdigen Patienten-Kommunikation hat das irgendwie überhaupt nichts zu tun. Mit achtsamen Umgang in der Fürsorge für Patienten und Angehörige auch nicht.

Juristisch betrachtet, auf dem Feld kenne ich mich gut aus, ist eine Patientenverfügung überhaupt nicht wirkungslos. Sie ist eine klare Ansage an die behandelnden Ärzte dem Wille des Sterbenden folge zu leisten und Intensiv-Maßnahmen im Krankenhaus abzustellen, oder gar nicht erst anzufangen. Früher war es eher eine Empfehlung an die Ärzte. Nach einer GESTZLICHEN Reform ist die Patientenverfügung bindend für die Ärzte.

Die finden das aber kontraproduktiv zu ihrem Behandlungsansatz und üben viel Druck auf die Entscheidungsbefugten, Angehörigen aus, damit weitere superteure Krankenhausbehandlungen vorgenommen werden:  Zitat „Sie werden Ihre Mutter doch jetzt nicht sterben lassen? Wenn sie nicht zustimmen wird das eintreten“.  Oder auch “ Wenn sie nicht zustimmen werde ich ( Arzt) einen kostenintensiven Betreuer bestellen, der dann die Entscheidung in meinem Sinne durchführen wird.   Da ist man als Laie wahrscheinlich sehr ratlos und völlig perplex und unterwirft sich wahrscheinlich den Vorschlägen des Krankenhausarztes.

Wenn man bedenkt, wie viel Geld mit einem Patienten gemacht werden kann, locker 150.000 Euro in einer kurzen Behandlungszeit von ein paar Monaten, und wenn es wahr ist, wie in dem Buch ausgeführt, dass die Chefärzte am Gesamtumsatz beiteiligt sind über ein kickback, dann ist sonnenklar, dass nicht die Indikation für OP, PEG oder Therapie entscheidend ist, sondern mitgewichtig, wenn nicht gar alleingewichtig die Euros, die das Krankenhaus verdienen kann.

Warum die Krankenkassen nicht dagegen aufbegehren, bleibt mir völlig rätselhaft.  Rein zufällig ist es das Geld der Solidargemeinschaft, was den Geld-Saugern Krankenhäusern in den Rachen geblasen wird, ohne sinn-stiftende Indikation und Heilerfolgsaussichten.  Ein Bundestagsabgeordnete hat das Buch eingeleitet Prof Lauterbach, aber irgendwie gibt es keine Regelungsstelle, die die Indikation am Lebensende überprüft.

Wie setzt man eine Patientenverfügung durch gegenüber den Ärzten?

Ich habe einige Jahre mit einem Notar zusammen Vorträge zur Endlichkeitsgestaltung gehalten und weiß, dass eine gut gemachte notarielle Generalvollmacht auch die Patientenverfügung inkludiert und sie die höchste Urkundskraft hat, die es in der ZPO gibt. Dass heißt wenn einer der Ärzte es wagen sollte gegen die Ansagen des Bevollmächtigten aus der Generalvollmacht anzugehen, dann wird er sehr deutlich massiv von Dr Nümann auf unser Rechtssystem hingewiesen. Da reicht schon ein Telefonat aus und der Arzt , Prof whatever macht das, was von dem Bevollmächtigten angeordnet wird als Ausfluss des delegierten Selbstbestimmungsrechtes des Patienten. Das Recht ist schon im GG Grundgesetz verankert. Das höchste Rechtsgut überhaupt in der Deutschen Verfassung. Das müssen selbst Ärzte Professoren anerkennen.

Siehe auch unseren Beitrag zu der Entwicklung von Gesundheitskosten in Deutschland, link.

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter