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Genossenschaften

Genossenschaft Gründung
Written by Giovanni

Hast du dir schon mal die Frage gestellt, ab wann es Genossenschaften gibt?

Die Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1844.  In UK herrschten brutalste Ausbeutungs-Strukturen in der Arbeiterschicht. Nicht umsonst wird in der Wirtschaftstheorie auf von Manchester-Kapitalismus gesprochen, link. Diese Struktur steht für den Kapitalismus in Reinform, ohne jegliche soziale Überformung. In Deutschland sind soziale Überformungen schon seit Jahrhunderten gängige Praxis. Angefangen von des Bismarkschen Sozialgesetzgebungen, 1891.  Reichskanzler Bismark führt zwangsweise per Gesetz die Unfallversicherung ein – gesetzliche Unfallversicherung, die gesetzliche Krankenversicherung und die Rentenversicherung. 1912 trat die RVO – Reichsversicherungordnung – in Kraft.

Das_Kapital_Marx_1867

Nicht umsonst schrieb Karl Marx genau in dieser Zeit an dem kapitalismuskritischen Werk das Kapital in UK – London, 1867 in Hamburg publiziert. Karl Marx war ein wirklicher Wirtschaftswissenschaftler und hat einige Mechanismen des Kapitalismus gut beschrieben.  Viele dunkle Thesen sind allerdings reine Luftnummern und pure Vermutungen, die seine Neuformulierung von Gesellschaftssystem und Wirtschaftssystem hindern soll. Die DDR und die UDSSR haben gezeigt, dass der Sozialismus weder die Menschen glücklich gemacht hat noch als Wirtschaftssystem längerfristig gut funktioniert. Die DDR hat in vielen Bereichen von der vorgefunden Substanz gelebt und ist damit mit jedem Jahrzehnt der wirtschaftlichen Verrottung weiter in den Untergang geschlittert.

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Gründungsgeschichte der Gewerkschaften.

In UK, genauer in Rochester taten sich 28 Flanellweber zusammen, Hausierer und politische Aktivisten aus der Arbeiterschicht und gründeten 1944 eine Gesellschaft, die mit einem gruppensozialen wirtschaftlichen Grundgedanken der massiven Ausbeutung der Arbeiter durch die damaligen Einzelhändler ein positives Gegenangebot für die Gesellschaftsmitglieder anbieten wollten. Sie nannten ihre Gesellschaft:  Redliche Pioniere von Rochester, linkRochdale Society of Equitable Pioneers.

Hier ist auch eine tiefinformierende Webseite über das Genossenschaftswesen zu finden, link.

Warum wurden überhaupt Genossenschafts-Warenläden eröffnet?

Die damaligen Einzelhändler wurden nicht kontrolliert und konnten nicht nur massiv überzogene Preise fordern, sondern sie panschten auch die Waren. Nudeln wurden mit Urin eingefärbt, Mehl wurde gestreckt mit billigeren Stoffen wie Gips.  Die Arbeiter waren mehr oder minder gezwungen dort zu kaufen, weil sie aufgrund der unerträglich langen Arbeitszeiten kaum Zeit hatten sich für den Lebenserhalt bei der Verwandschaft auf dem Land mit Lebensmitteln einzudecken.  Durch dieses Untergraben der Qualität der Waren, was man in heutiger Terminologie Betrug nennen würde, § 263 StGB, waren die Gründungsmitglieder dadrauf erpicht, dass die Warenreinheit der Angebote als erste Regel in das Regelwerk der neuen Genossenschaft geschrieben wurde.  Damals sind die Genossenschaften Anbieter von Genossen für Genossen gewesen.  Im Dezember ist der erste Genossenschaftsladen in Rochester eröffnet worden und entwickelte eine nahezu grenzenlose Dynamik. Angeboten wurden nur wesentlichen Dinge: Kartoffeln, Brot, Öl, Seife und Kohlen. (Siehe auch Bedürfnispyramide nach Maslow, link.)

redliche-pionere-von-rochdale- 1844 erstes Genossenschaftsgeschäft in Rochester 21. Jahrhundert

Der zweite Grundsatz hat auch einen wichtigen Hintergrund. Viele ähnliche Vereine haben aufgrund der Not der Arbeiter Kleinkredite gewährt, die in der Summe aber so groß wurden, dass die Kapitaldecke massiv durchlöchert wurden und die Gesellschaften schnell Konkurs anmelden mußten. Deswegen gilt das Prinzip der Barzahlung als Kernbestandteil des Genossenschafts-Gedankengebäudes.

Hier sind die internen Grundsätze dieser Gesellschaft-

Genossenschaftsgrundsätze:

  • Grundsatz der Warenreinheit – Einkauf und Abgabe nur von unverfälschter Ware
  • Barzahlung
  • Verteilung des Überschusses nach Maßgabe des Einkaufs in der Genossenschaft (Rückvergütungsprinzip)
  • Begrenzung der Kapitalverzinsung
  • Grundsatz der Ansammlung von Überschüssen, Verbindung von Spar- und Konsumgenossenschaft
  • Förderung des Bildungsstrebens
  • Demokratische Verwaltung – ein Mann, eine Stimme

pioniere-Genossenschaft Rochester

 

Gründungsmitglieder der ersten Genossenschaft in UK :  Rochdale Society of Equitable Pioneers.

Deutsche Genossenschaftsgeschichte

Im Harz und deren Bergarbeiter-Siedlungen wird schon 1770 einen Gnadenkasse gegründet, die Menschen in Anspruch nehmen können, die durch Krankheiten oder Todesfälle in die absolute Armut zu fallen drohen. Schon 1820 wird dadraus die Privat-Sparkasse Lerbach/Oberharz.  Alle Volksbanken in Deutschland sind eingetragene Genossenschaften.

Deutsche Rechtsgeschichte und Genossenschaftsgesetz

Dass die Genossenschaften als gesellschaftsrechtliches Konstrukt, als Gesellschaftsform extrem schnell Kraft gewonnen haben, zeigt auch das erste Genossenschafts-Gesetz, dass im Reichsgesetzblatt schon 1891 verkündet wurde und in Rechtskraft erstrahlte. Bis heute gibt es ein Genossenschaftsgesetz, dass die innere Organisation regelt, sprich Verwaltung, die Rechte der Mitglieder und Transparenz.  Natürlich müssen auch solche Gesellschaften von externen Quellen überprüft werden. Dazu hat jahrelang der ZDK, Zentralverband der Konsumvereine ein Prüfrecht ausgeübt. Vielleicht kann man formulieren: Genossenschaften sind dem Gemeinwohl und der Mitglieder verpflichtete Gesellschaften, die Waren und Dienstleistungen anbieten zu besonderen Konditionen. Nicht der Kapitaleigentümer wird in erster Linie bedient, sondern die Gemeinschaft. Also eine Art sozial umverteilende gesellschaftsrechtliche Unternehmensform. Die Komponente der Umverteilung zeigt sich auch an dem Bildungsauftrag. Schon vor 150 Jahren wurden viele  Bildungsangebote für die Arbeiterschicht Kinder geschaffen, damit sie bestenfalls sich aus der Arbeitschicht heraus entwickeln konnten und ins Bürgertum auftsteigen.

Das Genossenschaftswesen weltweit 2020

Heut zutage soll es eine Milliarde Genossenschaftsmitglieder weltweit geben, link. Das closed-shop-System nur an Genossenschaftsmitglieder zu verkaufen wurde im Lebensmitteleinzelhandel natürlich schon seit langer Zeit durchbrochen. Dennoch gibt es Genossenschaften, die dieses Prinzip heilig halten. Insbesondere die Wohnungs-Genossenschaften in Hamburg funktionieren nur so. Dass heißt jeder Bewerber, der genommen wird, muss Genossenschaftsanteile koofen und wird somit Teil der großen Gemeinschaft, wie beispielsweise der Schiffszimmer-Genossenschaft, link. Seit 140 Jahren gibt es diese Wohnungsinstitution und bietet den Genossenschafts-Mitgliedern 9000 Wohnungen an. Zitat Schiffszimmergenossenschaft Leitsätzte Solidarität, link:

„Ein Handeln im Interesse der Gemeinschaft und das Eintreten füreinander machen unsere Genossenschaft stark. Als Selbsthilfeorganisation ist die gegenseitige Unterstützung der Mitglieder und Bewohner besonders wertvoll. Eng verbundene Nachbarschaften sind dafür die größten Eckpfeiler. Deshalb unterstützen wir Initiativen unserer Mitglieder, die dazu beitragen, das Miteinander in den Wohnanlagen und Quartieren zu fördern und zu festigen“.

Genossenschaftsmuseum Hamburg

Ein sehr informative Museum im DGB Gebäude in Hamburg am Besenbinderhof zeigt uns den Geist des Hamburger Genossenschafts-Wesens.  Das Museum hat der Jurist Dr. Bösche geschaffen, den ich auch persönlich kannte.  Hier die Website des Hamburger Genossenschaftsmuseums, link.

Erste Deutsche Gründungen von Genossenschaften: 1850 wird in Eilenburg eine Lebensmittel-Assoziation gegründet, 1851/1856 in Hamburg die (Neue) Gesellschaft zur Vertheilung von Lebensbedürfnissen

Warum schreibe ich diesen Artikel?  Ich war zufällig auf der Festveranstaltung des Zentralverbandes der Konsumvereine, link. Das Einstiegsreferat war profund und historisch spannend. Als die Pioniere sich gründeten, haben sie von den Gaswerken keinen Vertrag bekommen und mußten die Gesellschaft bei Kerzenlicht gründen. Hat dem Megaerfolg der Genossenschaftsidee  aber keinen Abbruch getan.

Ich habe über das hübsche Hamburger Genossenschaftsmuseum schon vor 2 Jahren hier geschrieben, bitte hier klicken.

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter