Beziehung Lebensführung neuste Gedanken-Impulse

Hedonismus

hedonismus
Written by Giovanni

Hedonismus ist eine wichtige Spielart der Lebensführung

Hedonismus ist eine Spielart des Lebens.  Die Übersetzung heißt„Freude, Vergnügen, Lust, Genuss, sinnliche Begierde.

Exel-Terroristen können mit Hedonismus nichts anfangen. Siehe auch Lebensfreude, link. oder hier

Ich denke in unserer von Systemimperativen beherrschten Welt sollten uns deutlichst mehr innere Freiheit gönnen. Inzwischen gibt es für alles Hübsche in dieser Welt Studien, dass x,y,z der Gesundheit abträglich sei. Wein trinken – man/frau könnte eine Leberzirrhose bekommen, nachts tanzen gehen – man könnte einen Herzinfarkt bekommen, sich küssen – man könnte Bakterien der Mundflora austauschen.

STOPP !

Der alte Juristenspruch lautet: Das Leben an sich ist ein unerklärliches und manchmal undurchschaubares Risiko.

Wir leben, weil es Spaß macht zu leben.  Wir Juristen nennen das das „allgemeine Lebensrisiko“.

Lebensführung Hedonismus?

ALSO :  Sei zumindest ein bisschen Hedonist, denn wir können die Intensität des Lebens nur genießen, wenn wir nicht ständig mit inneren roten Warnlampen durchs Leben laufen.

Wer hat den Hedonismus erfunden?

Der Sage nach hat der antike Philosoph der griechischen Hochkultur Aristippos von Kyrene den Hedonismus erfunden. Genau genommen sollte man formulieren: Aritippos hat den Hedonismus als Lebensfromel formuliert. Hier klicken.

Reflexionen über den Hedonismus

im Deutschlandfunk findet sich etwas zum Hedonismus von Epikur:

 

Sonderling unter den antiken Philosophen . Der Hedonismus des Epikur. Autorenrechte beim Deutschlandfunk

„‚Therapie‘ können Sie auf der Messingtafel beim Drehkreuz zur Therme lesen, links führt die Treppe hinunter in die Abteilung, in der Wohlfühlen angesagt ist.“

Man hat Epikur immer als einen Sonderling unter den antiken Philosophen angesehen, weil er nicht nur lehrte, sondern mit seinen Anhängern eine Lebensgemeinschaft im Kepos, jenem berühmten Garten, führte. Und vor allem, weil er nicht die charakterliche Selbstvervollkommnung oder die Gerechtigkeit im Staat zum Ziel seiner Ethik machte, sondern eben jene Trias des Wohlbefindens.

Hedonismus, von altgriechisch hēdonḗ, das Vergnügen, der Genuss, die Lust. Wenn wir von Hedonisten sprechen, denken wir an Menschen, die ein ausschweifendes Leben führen, die nie genug kriegen können, immer auf der Suche nach dem nächsten Kick sind. Doch obwohl sich bei Epikur alles um dieses Wort hēdonḗ dreht, wäre es mit Lust schlecht übersetzt. Der Epikureismus ist keine Lehre der Ausschweifungen, sondern eine Ökonomie des Wohlbefindens.

Epikur war in unserem Sinne Atheist. Nicht nur die Idee eines allmächtigen Schöpfergottes war ihm fremd, sondern auch die der Unsterblichkeit der Seele. So schreibt er:

„Das Leere vermag weder zu wirken und Wirkung zu erfahren, sondern gewährt den Körpern nur Bewegung durch sich hindurch. Jene, die sagen, die Seele sei unkörperlich, reden also verrücktes Zeug.“

Weil für ihn nur diesseitige Kausalität zählt, gibt es also weder Anlass, sich vor göttlichem Zorn zu fürchten, noch durch Gebete die Götter besänftigen zu wollen. In Dantes Göttlicher Komödie liegen Epikur und seine Schüler folgerichtig bei den Ketzern im sechsten Kreis der Hölle in offenen Gräbern herum; Tote, denen keine Qualen etwas anhaben können. Weil ihm alle jenseitigen oder überhaupt transzendentalen Sinnbestimmungen fremd sind, ist es für Epikur logische Konsequenz, dass die Befriedigung der grundlegenden inneren, äußeren und sozialen Bedürfnisse, also eben Gesundheit, Sicherheit und Gemeinschaft für ein gutes Leben hinreichend ist. Wenn sich dem Dasein kein höherer Zweck beimessen lässt, dann wird es zum Selbstzweck. Wo Gott tot ist, wird die Gesundheit zum neuen Gott. Das Christentum, das die europäische Kultur fast zweitausend Jahre prägte, war dem Körper gegenüber von Anfang an feindlich eingestellt, es kannte kein Körperbewusstsein und daher auch kein Gesundheitsprogramm. Aber nun beobachten wir, wie mit der Zahl der Kirchenaustritte zugleich die Zahl der Mitgliedschaften in Fitness-Klubs und die Buchungen in Wellness-Hotels steigen. Diesen Zeitgeist könnte kaum ein Philosoph besser repräsentieren als eben Epikur.

Epikurs Garten ein Prototyp der Kellogg-Farm

„Auch die Selbstgenügsamkeit halten wir für ein großes Gut […]; auch Brot und Wasser spenden höchstes Wohlbefinden. […] Sich also zu gewöhnen an einfache Mahlzeiten, befähigt zu voller Gesundheit, stärkt unsere Verfassung und macht uns angstfrei gegenüber den Wechselfällen des Lebens.“

Der Epikureismus ist ein organismisches und psychisches Diätprogramm, Epikurs Garten ein Prototyp der Kellogg-Farm. Was Wohlbefinden ist, wird von einem medizinischen Standpunkt her definiert, es steht dem Ausleben von Lüsten nachgerade entgegen, selbst der Begriff des Genusses geht hier schon zu weit.

Es war Thomas Mann, der in seinem Zauberberg die Sanatoriumsgesellschaft prototypisch beschrieben hat. Der Davoser Berghof ist eine Welt für sich und nur vordergründig handelt es sich hier um eine Lungenheilanstalt. Die Lunge steht hier als Metapher für das tätige Leben, für die Arbeit, die Anstrengung, der man „hier oben“ enthoben ist. Die Mühen finden wortwörtlich in der Ebene statt.

„Den Zwängen des Alltags entfliehen – aufatmen zu können – ausspannen und körperliche Leistungsfähigkeit wiederfinden, mit medizinischer Betreuung, einem geschulten Team, erlesener und ideenreicher Küche (alle Diätformen) und menschlicher Zuwendung.“

Mit diesen Worten wirbt ein Sanatorium im Badischen. Wohlbefinden, well being, ist nicht hinterfragbarer Selbstzweck; in der strikten Befolgung der Kausalität liegt zugleich seine Finalität, es erhebt das Seiende in den Status des Seins überhaupt. Hans Castorp, der Protagonist in Manns Roman, will zunächst nur seinen Freund Ziemßen besuchen, der im Berghof zur Kur ist, bleibt am Ende aber ganze zwei Jahre. Dableiben zu können – das ist für ihn Freiheit. Im fünften Kapitel stellt er zufrieden fest:

„Was sich als wahre Form des Seins dir enthüllt, ist eine ausdehnungslose Gegenwart, in welcher man dir ewig die Suppe bringt.“

Die Therapien des Sanatoriums, die Liegekuren in der kalten Bergluft wie die psychoanalytischen Sitzungen sind nicht darauf angelegt, ein gestärktes Ich in die Welt zu entlassen. Der Zauberberg ist Endstation, das Sanatorium ein Bindungssystem, dem man nicht entkommen kann, wie jenem Hotel California, in dem die Eagles den Dämon des amerikanischen Hedonismus besingen: „You can check out any time you like, but you can never leave.“ Die einzige Chance auf Fortexistenz liegt in der Leugnung der Grenzen, die einem das tätige Leben sonst auferlegt. Die Diagnose eines schemenhaften Schattens auf der Lunge bedeutet für Hans Castorp Rettung vor „Denen da unten“. Und wehe, einer versucht, sich dem Regiment des Wohlbefindens, dem Diktat der Gesundheit, das eigentlich eine Anbetung der Krankheit ist, zu widersetzen: Ihm wird es ergehen wie eben jenem Joachim Ziemßen, der seinen Eigensinn, sein Nicht krank-sein-wollen, am Ende mit dem Leben bezahlt.“

Bildrechte Pixabay CC openClipart-Vectors

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter