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Idealisierungsfalle

Idealisierung funktioniert aufgrund von Normen der Außenwelt. Die Außenwelt-Imperative vergiften unser authentisches SO-SEIN.

Über das Andere, Wir leben im Hier und Jetzt und gleichzeitig treibt uns immer die Sehnsucht nach dem Anderen. Im antiken Griechenland nannte die Denker einen Ort Arkadien, der für den Einklang mit der Natur stand, die Ungetriebenheit und Schönheit des Hirtenvolkes. Heidegger nennt die Getriebenheit „die Geworfenheit des Seins.“ Das Arkadische kann natürlich genauso stark für Menschen gelten, bzw. die Sehnsucht nach dem arkadischen Menschen. Jean-Jacques Rousseau greift in seinen Moralschriften ein ähnliches Motiv: dort ziehen die Menschen einsam durch die Wälder und treffen sich nur manchmal und zur Paarung. Er möchte damit deutlich machen, dass die städtische eine hypertrophe, nicht weltverbunden Seinsform sein soll. Interessanter Weise sind aber idealisierte Weltverklärungen noch nie glücklich machend gewesen, zumindest nicht im Hier und Jetzt. Die Rousseau Variante ist wirklich absurd, ein rein apriori-Konstrukt aus dem Genfer Elfenbeintrum. Der Philosoph ist aus Paris weggezogen, um in den Schweizer Alpen die Einsamkeit zu suchen.

Wie das Titelbild so schön sagt, Perfection ist Stagnation. Perfektion kommt meist auch bei Kleingeistern vor.

Idealisierung ist eine gesellschaftliche Überformung

Was ist ein Ideal? Was ist die ideale Figur? Was ist das idealste Maßwerk?  Was ist das idealste Musikstück?  Kann es dazu eine abschließende Antwort geben? Auf jeden Fall ist eines richtig und wichtig.  Das Ideal ist nicht das, was uns die Industrie und vorgauckelt qua Werbung.  Die Ernährungsindustrie zeigt uns 20jährige Modells und die Mädels, egal welcher Alterskohorte versuchen sich diesem Idealmaß anzupassen.  Macht viel psychologischen Durck und viel Schmerz und Unzufriedenheit über die non-perfektness. Macht Unzufriedenheit und Missmut in deinem Seelenkosmos.

Der größte Trigger für Bewegung in der Kapitalismus-Wirtschaft ist Höher, Schneller, Weiter. 

Aber bitteschön, welche Begründungsebene gibt es, die zementiert, dass es so sein muss?????

Deswegen nennen wir den ganzen psychologischen Wirkmechanismus auch die Idealisierungfalle!  Diese Falle ist genauso schlimm, wie der Zahlenfetischismus, link.

learning: Einfach entkoppeln von den Systemimperativen.  Idealmaß ist gut und schön, aber das So sein hat auch eine Akzeptanz in der Welt derjenigen die tolerant sind.


 

Ein sehr schöner Gedanke ist von Satre: “ Die Jugend hat Heimweh nach der Zukunft“. Wir suchen alle nach einer Urheimat des Seins, einem Geborgenheitsort, in dem wir für immer unsere Seele verankern können. Einem ORT an dem das Urvertrauen in unser Sein zusammeläuft sich zusammenfühlt mit einer Einheitserfahrung von Raum und Lebensparterin/ Lebenspartner. Die Suche nach diesem o.g. Momentum ist Kernaufgabe, Kernsuche in unserem Leben. Fraglich ist allerdings, ob man die Suche im Anderen, weit entfernten verorten sollte. Nach meiner Lebenserfahrung fühle ich mich genial wohl in „meinen“ Kloster in Franken, 500 km entfernt,Münsterschwarzach, bei Pater Anselm Grün. Ich schätze die flirrenden romantischen Rhein, die schöne Lebenszugewandtheit der Menschen dort. Denke „wohw was für eine tolle, schöne, andere neue Welt.

ABER man muß tierisch aufpassen mit den Weltrealitäten verwerfenden, verdrehenden Idealisierungen. Die  Weltverdrehung in der inneren Seinsperspektive muß immer rückgebunden sein, mit der echten Realität.Welt-Anmalung aus der innengesteuerten Osterei-Schönfärberei führt nur zu den berühmten Gedankenfallen. Meine Großmutter, eine kluge Frau, sagte „Man kann sich die Welt und Menschen nicht malen“.

Das ist natürlich viel zu einfach gedacht. Wenn das Welttrubeln ein hochdifferenzierter Prozess ist, der nach C.G. Jung auch noch mit einer Essens-Eben innerlich verwoben und verkoppelt ist auf einer metaphysischen Ebene, dann kann man als Mensch sehr wohl ein wenig die Welt gestalten, und kleine Impulse setzen, damit sich das Licht des Lebens einem zuwendet, aber man muß auch die Freiheit lassen, dass die Dynamis der Welt ihr Eigenleben entwickelt.  Wie Jin-Jang, das Leben ist ein Wechselspiel.

Also merke wohl:

Das Glück kann auch ganz nahe liegen, sozusagen in greifbarster Nähe. Man/frau müsste nur mal sein Herz öffnen und schon fällt es einem zu, bzw könnte ein belastbarer Boden des Glücks sich entwickeln. Die Suche nach dem Anderen in der weiten Ferne kann nicht unbedingt zielführend sein. Sind wir des Glückes Schmied, wie meine Mutter mir immer weiszumachen suchte?  Ich glaube an Kairos und den allmächtigen Lenker. In dieser Kombination wird sich das Glück finden lassen, bzw. das Glück fällt einem vor die Füße.

Bildrechte Pixabay CC geralt

Datum der Erstveröffentlichung Mai 2015, Überarbeitung Juni 2018 Institut für Lebenskunde.

Wiki schreibt über Idealisierung:

Idealisierung ist ein Schlüsselbegriff der Psychologie (vor allem der Entwicklungspsychologie) und der Sozialwissenschaften. Es beschreibt Verhalten, Gegenstände (Personen, GruppenEpochen, Regionen usw.) oder das Selbst zum unrealistisch überhöhten Ideal zu erheben.

In den ersten Lebensjahren erlebt das Kind seine Eltern als übermächtige, beschützende und perfekte Vorbilder ohne Schwächen (vgl. Elternimago). In seiner weiteren Entwicklung beginnt das Kind zu begreifen, dass auch die Eltern Schwächen haben und seinem eigenen Ideal einer perfekten Persönlichkeit nicht entsprechen. Dieses Denken entsteht als Nebenprodukt in der Vorstufe zur Empathie, welche das Kind im Alter von 6 Jahren erlernt. Jugendliche sondern sich in der Zeit der Pubertät von den idealisierten Eltern ab und die Freunde und eigene Beziehungen treten mehr und mehr in den Vordergrund. In der ersten Zeit der Pubertät werden oft unerreichbare Persönlichkeiten als Ideale angesehen (z. B. himmeln viele Jugendliche Popstars an). Für den – in der Adoleszenz­phase stattfindenden Ablösungsprozess aus der Eltern-Kind-Beziehung ist eine Ent-Idealisierung wichtig.

Eine fehlende Realitäts­prüfung einer Idealisierung kann Kognitive Verzerrungen (= verzerrten Wirklichkeits­vorstellungen) führen (siehe auch Fanatismus). Bei der Reaktionsbildung in der psychoanalytischen Theorie dient eine Idealisierung der Abwehr aggressiver Impulse gegen eine idealisierte Person, um Schuldgefühle und Ängste abzuwehren. [1]

Verliebt sein (= Verliebtheit) ist die wohl bemerkenswerteste Form der Idealisierung. Diese Beziehung basiert am Anfang vor allem darauf, dass man beim (neuen) Partner nur positive Charaktereigenschaften erkennt / erhofft. Idealisierung beinhaltet auch eine Introjektion des Partners. Eine realistische, tragfähige Beziehung kann erst entstehen mit der Ent-Idealisierung und der damit verbundenen Annahme und Akzeptanz positiver und negativer Eigenschaften des Partners. Aus dem verliebt sein entsteht so ‚Liebe‚.

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter