Lebensfreude Psychologie Übergänge

im tiefsten Winter schliesslich habe ich entdeckt, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer liegt..

Lebens-Sommer
Written by Giovanni

über die Resilienz, Logotherapie und den Philosophen-Psychiater Victor Frankl

Der Lehrmeister meiner psychologischen Mentorin als Trauerbegleiter, die grande dame der Trauerbegleiterbewegung und Gründerin derselben Uta Schröder war der österreichische Denker, Psychiater und Neurologe Victor Frankl, der im 20. Jahrhundert seine Forschungsergebnisse in eine neue Therapieform gegossen hat – die Logotherapie, nicht zu verwechseln mit der Tätigkeit des Logopäden.  Die Existenzanalyse Logotherapie ist eine Fortführung des Freudschen Ansatzes der Psychotherapie und Alfred Adlers. Wie ich in den sechs Jahren der Zusammenarbeit mit Fr. Schröder erfahren habe, ist Grundlage des Denkens,  in der Facon Logotherapie, sehr heilsam für die Seele der trauernden Menschen.

Albert Camus schreibt:

„im tiefsten Winter schliesslich habe ich entdeckt, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer liegt..“  Danke an Claudia !

Ein wundervoller Gedanke das auch wenn wir zur Zeit vielleicht eher nur die Dunkelheit des Seelenwinters wahrnehmen, weil wir mit einer Todeserfahrung, Verlusterfahrung zu kämpfen haben, dennoch nie vergessen sollten, dass für uns alle, nach vielleicht diversen Wegbiegungen und ein paar seelischen, schmerzhaften Anstrengungen, vielleicht sogar ein paar seelischen Gewaltmärschen, nie das Ziel des Seins aus den Augen verlieren sollten: DER UNBESIEGBARE SOMMER DES SEINS. Dieser Gedanke des Seins-Sommers als Lebenszielrichtung passt ganz in den Kosmos von Victor Frankl. Frankl hat das KZ Birkenau überlebt hat und die conditio humna, das SEIN in seiner Grabenstruktur, in seinen seelischen Untiefen und seinen sommerlichen Höhen in aller Grenzerfahrungsmöglichkeit durchlebt und durchdacht, mit Sinn gefüllt und das SEIN so schwebend durchflügelt hat.

Die daraus resultierende positive Grundeinstellung zum Leben und all seinen Wagnissen, Verfangenheiten und Schönheitserfahrungen sollten wir in unserer Lebensführung immer beherzigen und nicht zuletzt hat sich eine ganze Therapieform etabliert mit dem Namen „Positive Psychologie“ – link.

Wir brauchen nur einmal auf diesen wundervollen vom Sommerlicht umflossenen Lesestuhl zu schauen, um in unserer Seele, und Erfahrungsraum das Sommergefühl zu finden, oder wach zu rufen, obwohl es vielleicht in eine depressive Besenkammer der Dunkelheit durch den Tod eines Herzensmenschen eingesperrt war. Wir lernen nie die Hoffnung aufzugeben, egal wie düster gerade der Seelen-Himmel verhangen zu sein scheint.

Lebens-Sommer

In Wien gibt es noch heute das Victor-Frankl-Institut – hier der Link nach Wien. Außerdem gibt es natürlich unzählige Existenzanalyse Therapeuten und webseiten zu dem Thema, Hier die der Internationalen Existenzanalyse, link. Hier die Website der norddeutschen Akademie für Existenzanalyse, link.

Ich habe gelesen: „…trotzdem JA zum Leben sagen Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“

Das Hauptwerk von Victor Frankl heißt: Ärztliche Seelsorge. Grundlagen der Logotherapie und Existenzanalyse Und Vorarbeiten zu einer sinnorientierten Psychotherapie. Das Buch gibt es für 13 Taler bei DTV, hier klicken

Seelsorge

 

Ende April läuft an der Wiener Uni, Fakultät für Medizin, eine Vorlesung zur Existenzanalyse, link. Hier die empfohlene Literatur

Frankl, V.E. (2007). Theorie und Therapie der Neurosen. Stuttgart: UTB.
Frankl, V.E. (2007). Die Psychotherapie in der Praxis. Wien: Böhlau.
Lukas, E. (2014). Lehrbuch der Logotherapie. München: Profil.
Riedel, C., Deckart, R., & Noyon, A. (2015). Existenzanalyse und Logotherapie: ein Handbuch für Studium und Praxis. Darmstadt: WBG.
Bilek, H.-P., & Mori, H. (2015). Synoptische Psychotherapie. Wien: Facultas.

Link zur Publikationsliste Frankl

Wir zitieren von der Website des Victor Frankl Instituts – Autorenrechte ebendort

Univ.-Prof. Dr. Alexander Batthyany:

Logotherapie
„Logos“ bedeutet im Zusammenhang mit der Logotherapie „Sinn“. Logotherapie heißt also nicht, daß man etwa versucht, die Patienten mit logischen Argumenten zu überzeugen; vielmehr sucht man ihnen zielorientiert und methodisch bei der eigenen Sinn-Findung zu helfen.

Logotherapie ist die angewandte Psychotherapie auf Grundlage des von Viktor Frankl entwickelten psychologischen Modells.

Existenzanalyse
Existenzanalyse ist einerseits eine der Logotherapie zugrundeliegende Forschungsrichtung, andererseits selbst Teil des therapeutischen Prozesses.

Grundsätzlich bedeutet Existenzanalyse: Analyse auf Existenz hin, das heisst auf ein eigenverantwortetes, selbstgestaltetes und menschenwürdiges Leben hin.

In der „allgemeinen Existenzanalyse“ wird das Sinnbedürfnis des Menschen als wichtige Grundmotivation sowie die grundsätzliche Möglichkeit der Sinnfindung im menschlichen Leben erörtert. Auf diese Weise wird die therapeutische Wirkung einer gelingenden Sinnfindung erklärt und begründet.

In der „speziellen Existenzanalyse“ wird das konkrete, individuelle Leben eines Patienten, eines Klienten oder einer Gruppe auf die möglichen existentiellen Wurzeln einer seelischen Erkrankung hin durchleuchtet. Damit erstellt sie die Grundlage für eine Logotherapie als angemessener, spezifischer Therapie „vom Existentiellen“ her. Der therapeutische Aspekt der Existenzanalyse liegt also in der Erhellung der konkreten existentiellen Situation und der Vorbereitung der Unterstützung bei der – selbständigen – Sinnfindung.

Was ist Logothearapie und Existenzanalyse?

von Alexander Batthyany

Ausgehend von der Psychoanalyse Sigmund Freuds und der Individualpsychologie Alfred Adlers entwickelte der Psychiater und Neurologe Viktor Emil Frankl (1905–1997) in den frühen Dreißiger Jahren einen eigenständigen Ansatz, für den er den Doppelbegriff „Logotherapie und Existenzanalyse“ prägte.Logotherapie und Existenzanalyse, auch „Dritte Wiener Richtung der Psychotherapie“ genannt, ist eine international anerkannte, empirisch untermauerte sinnzentrierte Psychotherapierichtung.Frankls Konzept leitet sich aus drei philosophischen und psychologischen Grundgedanken ab:

  • Freiheit des Willens
  • Wille zum Sinn, und
  • Sinn im Leben


Die Logotherapie/Existenzanalyse sieht den Menschen als nicht nur bedingtes, sondern auch als grundsätzlich entscheidungs- und willensfreies Wesen, das befähigt ist, zu inneren (psychischen) und äußeren (biologischen und sozialen) Bedingungen eigenverantwortlich Stellung zu nehmen. Die Freiheit des Menschen ist dabei definiert als der Gestaltungsfreiraum des eigenen Lebens im Rahmen der jeweils gegebenen Möglichkeiten. Diese Freiheit ist begründet in der geistigen Dimension des Menschen, die neben Körper und Psyche seine eigentliche Personalität und Würde ausmacht. Als geistige Person ist der Mensch nicht mehr nur reagierendes oder abreagierendes, sondern auch agierendes, gestaltendes Wesen.
Die Freiheit des Menschen spielt auch in der angewandten Psychotherapie eine entscheidende Rolle, insofern sie dem Patienten Freiräume gegenüber der somatischen oder psychischen Erkrankung aufschließt, bzw. im Rahmen der von Frankl entwickelten Techniken der Paradoxen Intention, der Dereflexion und der Einstellungsänderung durch die Differenzierung von Symptom und Person dem Patienten einen Großteil seiner Selbstbestimmungsfähigkeit zurückgibt.

Wille zum Sinn


Der Mensch ist nicht nur frei, sondern in erster Linie frei auf etwas hin. Seine Gestaltungsfähigkeit sucht nach Ausdrucksmöglichkeiten in sich und der Welt. Logotherapie und Existenzanalyse betrachten die Suche nach Sinn als Grundmotivation des Menschen. Kann der Mensch seinen „Willen zum Sinn“ in der Lebenspraxis nicht zur Geltung bringen, so entstehen bedrückende Sinn- und Wertlosigkeitsgefühle. Die existentielle Frustrierung des Sinnbedürfnisses kann zu Aggressionen, Sucht, Depressionen, Verzweiflung und Lebensmüdigkeit führen und auch psychosomatische Krankheiten und neurotische Störungen auslösen oder verstärken.

Die Logotherapie/Existenzanalyse (LTEA) hilft dem Patienten, Hemmungen und Blockaden, die ihn im Prozess seiner Sinnsuche behindern, zu erkennen, aufzuheben oder zu bewältigen. Sie sensibilisiert ihn für die Wahrnehmung von Sinnmöglichkeiten; dabei macht die LTEA dem Menschen keine Sinnangebote; sie unterstützt ihn vielmehr bei der Verwirklichung der von ihm selbst entdeckten Sinnmöglichkeiten.


Die LTEA ist von dem Gedanken getragen, dass Sinn eine Wirklichkeit in der Welt ist und nicht nur im Auge des Betrachters liegt. Demnach ist der Mensch durch seine Willensfreiheit und Verantwortungsfähigkeit aufgerufen, das Bestmögliche in sich und der Welt zur Geltung zu bringen, indem er in jeder Situation den Sinn des Augenblicks erkennt und verwirklicht. Wesentlich ist hier auch, dass das Sinnangebot des Augenblicks, obwohl objektiv gegeben, situations- und personengebunden ist und als solches einem fortwährenden Wandel unterliegt. Die LTEA offeriert daher keinen allgemeinen Lebenssinn, sondern verhilft dem Patienten zu jener Offenheit und Flexibilität, die Voraussetzung für eine sinnvolle Gestaltung seines Alltags ist. Denn in jeder Situation warten auf jeden Menschen jeweils andere Sinnmöglichkeiten darauf, von ihm erkannt und verwirklicht zu werden.


Paradoxe Intention
Indikation: vor allem Zwangs- und Angststörungen; vegetative Syndrome.
Der Patient lernt unter Anleitung des Arztes oder Therapeuten, Angst- und Zwangsgedanken durch Selbstdistanzierung und Ironisierung zu überwinden und dadurch den Kreislauf von Symptom und Symptomverstärkung zu unterbrechen.

Dereflexion
Indikation: u.a. Sexual- und Schlafstörungen, auch Angststörungen.
Das übermäßige Beobachten an sich autonomer Vorgänge kann deren natürlichen Ablauf stören. Auch an sich schwache und natürliche Angst- oder Trauergefühle werden durch übersteigerte Aufmerksamkeit verstärkt, wodurch sie wiederum vermehrt Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ziel der Dereflexion ist es, diesen neurotisierenden Teufelskreis zu durchbrechen, indem die übertriebene Aufmerksamkeit von einem Symptom bzw. einem natürlichen Vorgang abgezogen wird.

Einstellungsänderung (auch: Einstellungsmodulation)
Bestimmte Lebenshaltungen und -erwartungen können den Menschen so sehr von der Wirklichkeit und den Möglichkeiten seines Daseins entfremden, daß sie neurotische Störungen entweder verstärken oder durch wiederholte Fehlentscheidungen und Selbstprägung auslösen. Ziel ist es hier nicht, dem Patienten von außen eine andere Einstellung nahezulegen; vielmehr soll der Patient selbst dazu geführt werden, Einsicht in unrealistische oder lebensfeindliche Einstellungen zu gewinnen und neue Grundhaltungen zu entwickeln, auf deren Basis Leben gelingen kann.

Sokratischer Dialog
Der Sokratische Dialog ist eine Gesprächsmethode der LTEA. Durch gezieltes Fragen und Gegenfragen soll dem Patienten die ihm eigene Einsicht seiner Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten bewußt gemacht werden. Im Sinne der von Sokrates konzipierten Weise handelt es sich hierbei um eine Art geistige Hebammenarbeit – wiederum gilt, dass der Prozess der Einsichtsfindung und der Inhalt der Einsicht nicht vom Therapeuten, sondern vom Patienten selbst ausgeht: „Sinn muß gefunden werden, kann nicht gegeben werden.“

Bildrechte Danke an jill111 aus den USA  Bildrechte Pixabay CC jill111

Ein weiterer Lesehinweis ist die schönen Erfolgsdefinition einer unbekannten Autorin aus den USA, link.

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter