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Kirchenaustritte 2018

Kirchenaustritte
Written by Giovanni

Die Amtskirche – sowohl die in Hamburg prioritär vertretende evangelische Kirche, als auch die katholische Kirche-  verliert jedes Jahr deutlichst mehr  Mitglieder auf einer sehr kleinen prozentualen Sockelbasis. Die ZEIT hat sich dem Thema angenommen.  In Hamburg verhält es sich wie folgt, schreibt die Elbvertiefung:

Immer mehr Hamburger treten aus der Kirche aus

In Hamburg haben die evangelische und katholische Kirche 2018 zusammen 13.525 Mitglieder verloren, womit die Zahl der Austritte insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent gestiegen ist  Hamburg liegt knapp unter dem Bundestrend.  der in  2018  17 Prozent mehr Austritte aus beiden Kirchen zu verzeichnen hatte. Das ergaben Recherchen der ZEIT-Beilage »Christ und Welt«. Die Beweggründe werden in dem hier verlinkten Beitrag eindrücklich geschildert, lesen Sie hier.  In Wirklichkeit hört sich 16 % dramatischer an, als es ist, denn es treten ca 1 % aller Kirchenmitglieder aus. Ob sich diese Zahl um 16 % erhöht, oder um 22 % erhöht, ist für die Kirchenleitung nur ein kleines Tendenz-Indiz, dass die betriebswirtschaftlich nicht erschaudern läßt. Noch nicht.

Leider wird in dem ZEIT Bericht nur oberflächlich gekratzt. Das liegt auch daran, weil sich die Beilage sich an Fundamentalkritik nicht heranwagen möchte

1. Haupt-Austrittsgrund ist die egomanische Geldvermehrung

Die hauptsächlichen Beweggründe kannst du in dem Meinungskuchen von www.kirchenaustritte.de sehen. Die meisten Kirchenmitglieder treten aus geld-egoistischen Gründen aus, weil sie das Geld lieber für die eigenen egoshooter-Ideen verwenden möchten. Laut der dort einsehbaren Statistik sind das 44 % aller Entscheider. ( n = 54.000)

2. Die Amts-Kirche macht einen schlechten job – performance Marketing

Wenn man sich als Maßstab den Index anschaut, mit dem die Gottesdienste in den Amtskirchen besucht werden, dann kann man nur zu dem harten Urteil kommen, dass die Amtskirche einen extrem schlechten job macht.  Sowohl für die evangelische Amtskirche als auch, deutlich besser, liegt die Zahl der Kirchen-Gottes-Dienst-Nutzer im Verhältnis zur Kirchensteuerzahler-Kohorte im einstelligen Prozent-Bereich. Wenn es eine betriebswirtschaftliche Führung der Amtskirche geben würden,  dann hätte der performance-controller dem operativen Geschäft längst gemeldet, dass die performance der Gottesdienste keine jungen und mitteljungen Kirchensteuerzahler einfängt und diese bestenfalls sich in die Amtskirche quälen, weil sie möchten, dass ihre Kinder konfirmiert werden. Da die Amts-Kirche sich aber gerne auf Dogmatismus und gottherrliche Selbstverortung und Selbstherrlichkeit zurückzieht, gibt es weder eine performance controlling-Stelle, noch eine Weisungsrecht der Aufsichtsorgane, wenn ein Pastor,Priester sich in den Jahrhunderte lange gebahnten Dogmatismus-Spuren bewegt. Allenfalls wenn ein Pastor sich aus der herrschenden Lehrer abkoppelt und eigenwillige Thesen in den Gottesdiensten formuliert, wird die Kirchenaufsicht einschreiten und im schlimmsten Falle ihm die Lehrbefugnis entziehen. Schlimmes Beispiel ist der Vordenker Eugin Drewermann, der extrem innovativ denken kann und kritische Fragen stellt.

3. schlechtes HR-Controlling und selbstreferentielle Systeme

Justamente am 21.2.2019 tagt in Rom erstmals unter Leitung des Papstes die Versammlung aller Bischöfe, um über das Thema sexueller Mißbrauch in der Kirche zu beraten und wie man damit umgeht. / Hier ein schauerlicher Rückblick über die Kirchenskandale in den letzten Jahrzehnten in der Süddeutschen Zeitung, link. / Der Spiegel mahnt zurecht, dass angesichts des Priestermangels die Amtskirche nicht zu hart aussortieren kann, weil sie sonst keine Priester mehr hat, link. In der dort platzierten Umfrage haben über 10.000 Abstimmende kund getan, dass sie nicht daran glauben, dass die Kirche an ernsthafter Aufklärung interessiert sei. 80 % sagt die Spiegelumfrage glauben weiter an interne Vernebelung.

Der sexuelle Mißbrauch in der Amtskirche ist ein weiterer Beweggrund, warum immer mehr Menschen ihre Kirchensteuer-Mitgliedschaft kündigen.  By the way, das Thema mag in den Katholischen Internaten und Katholischen Haushalten von Priestern eine brennende Resonanz finden, aber auch die evangelische Kirche ist keinesfalls besser im internen HR-controlling. Ich erinnere mich noch gut an die Pastor in Norderstedt, der jahrzehntelang sexuellen Mißbrauch im 20. Jahrhundert begangen hat und die Amtskirche sich krampfhaft die Augen zugehalten hat, um bloß nichts tun zu wollen.  Auch für Priester und Pastoren gilt übrings das Strafrecht: Mißbrauch von Schutzbefohlenen, sexuellen Nötigung, Vergewaltigung.   Das sehen die Kirchenleiter oftmals nicht und haben im 20.Jahrhundert massivst eine Vernebelungs-Taktik gefahren, insbesondere die Katholische Kirche. Wie die Kirchenleitung überhaupt die Frechheit besessen haben kann sich über die Deutschen Gesetze zu stellen, scheint mir als Juristen immer noch gänzlich schleierhaft zu sein. Mit scharfen Schwert richten wären der job eines guten HR-Controllings gewesen und diejenigen aus Amt und Würden zu entfernen, die Machtmißbrauch trieben und kriminell im Sinne des StGB wurden. ( HR steht für human ressources – HR ist eine betriebswirtschaftliche Bezeichnung für Menschen als Arbeitskräfte in einem Unternehmen.) Selbstverständlich haben die HR Verantwortlichen in der Amtskirche, Bischöfe und Superintendenten keinesfalls ihre Mitarbeiter bei der zuständigen Staatsanwalt angezeigt, sondern sie mit einer internen Ermahnung versehen in einen neuen Kirchenkreis versetzt.  Damit haben die Verantwortlichen erneut die Möglichkeit geschaffen, den Perversen sich an der anvertrauten Jugend zu vergehen.

Die Kirchensteuern steigen und steigen

Das spannende ist aber, dass trotz der Kirchenaustritte die Kirchensteuer-Einnahmen der Amtskirche massiv gestiegen sind auf nunmehr 12,108373  Mrd Euro.  Das liegt daran, dass die Deutsche  Wirtschaft boomt und je mehr Menschen als Angestellte beschäftigt sind und Alle, die nicht ausgetreten sind, werden automatisch mit der Kirchensteuer veranlagt vom Finanzamt.

Sehr hübsch mit Zahlen gefüttert ist die Website Kirchenaustritte.de, link..

Konsolidierung der Amtskriche für das 21 Jahrhundert

Dennoch ist sich die Amtskirche bewußt, dass der Geldsegen erstmal nur ein Strohfeuer ist, weil man die Austritte von ca 1 % der Mitglieder leicht extrapolieren kann.  Außerdem weiß man um die gigantischen Verpflichtungen die Entstehen aus den Rentenansprüchen der pensionierten Pastoren und Priestern und den gigantischen Investitionen in Kirchenbauten, die nach 50-100 Jahren dringenst modernisiert werden sollten. Die Reaktion der Amtskirche im armen Norden ist mathematisch und juristisch richtig:  Die Rentenansprüche sind unabdingbar und müssen natürlich in eine Bilanz miteingerechnet werden.  Die Kirchenbauten kann man schließen oder verticken. Genau dazu hat die evangelische Kirche einen großen Generalstabsplan über Hamburg ausgebreitet und schon vor mehreren Jahren die Zukunft von vielen mittelkleinen und kleinen Kirchen schwarz gemalt, oder mit einem großen roten Kreuz durchgestrichen ( Hamburger Abendblatt 2017 link.).  Die katholische Kirche in Hamburg arbeitet an gleichen Plänen; hat mir im Sommer 2018 eine Mitarbeiterin des Erzbistums Hamburg verraten.  Da es in Hamburg aber nur sehr wenig Bestand an katholischen Kirchen gibt, werden die Einschnitte schmerzlich für die Gemeinden sein, aber keine absoluten Dimensionen erklimmen können, wie bei der evangelischen Kirche.  Dass die fehlende Finanzierungsgrundlage auch für die Amtskirche die Basis von betriebswirtschaftlicher Rechnungslegung und Betriebsführung eine Relevanz hat, zeigt die angekündigte Schulschließung der katholisch verantworteten Schulen, 2018.

disprutive Geschäftsmodelle – disruptive Amts-Kirchenmodelle

In der harten Wirtschaft wird gerne von disruptiven Geschäftsfeldern gesprochen und Geschäftsmodellen. NOKIA war mal Weltmarktführer für Handys. Hat aber den Trend zu SMART Phones verpennt und ist heute völlig bedeutungslos. Die reinste Disruption des Geschäftsfeldes. Die Amtskirche sollte sich der Gefahr bewußt werden, dass auch disruptive Gesellschaftsentwicklungen den Rückhalt in der DEUTSCHEN Gesellschaft zu ihrer völligen Nichtung führen kann. Als erstes wird der Staat den Einzug der Kirchensteuern durch die staatlichen Finanzämter( Finanzverwaltung) aufkündigen.  Das wird zu gigantischen Einnahmenverlusten der Amts-Kirche führen. Dann droht der Amtskirche entweder Konkurs, oder ein massiver Schrumpfungsprozess.

Zeitgleich ist die Kraft des christlichen Glaubens so stark, dass an vielen Stellen in Deutschland – Berlin, München, Hamburg sich neue Gemeinden außerhalb der Amt-Kirche neu gründen, die christlichen Glauben in eine gänzlich neue Form gießen.  Eine dieser super geilen Vordenker-Neu Kirchen ist das HamburgProjekt, dass in 2018 sein 10jähriges Bestehen gefeiert hat. link.

Betriebswirtschaftlich gesprochen heißt das, wenn ein alter Hirsch nicht mehr weiß, wo er seinen Kunden abholen soll, wenn er vor lauter Diversifizierung kein Kerngeschäft mehr machen kann, dann wird er Konkurs gehen, wie die alteingesessene Hamburger Firma Brinkmann. Wiki schreibt: „Für das Jahr 2000 bestand die Gruppe aus 46 Einzelunternehmen mit 4.500 Beschäftigten, die bei einem Umsatz von 2 Milliarden DM.“ Ein Jahr später war das Unternehmen komplett Konkurs  und 4500 Beschäftigte arbeitslos.  Es wäre an der Zeit, dass die Amtskirche sich mehr an den Kunden, sprich Kirchensteuerzahlern ausrichten würde, weil ansonsten die neuen Substitute die Aufgaben der Amts-Kirchen hocherfolgreich übernehmen werden. Change-Management nennt man in der Betriebswirtschaft einen solchen Konversions-Prozeß, der wellenförmig ausgestaltet ist.   Erster Schritt dazu wäre aber die Kirchenstruktur völlig neu zu denken.  Da man da kaum Tendenzen feststellen kann, wird die Amtskirche ihren Anteil an Mitgliedern Jahr um Jahr vermindern und irgendwann eine Minderheit in der Stadt Hamburg darstellen. Die Agnostiker werden gewinnen, oder wie in Berlin die spirituell orientierten Sinnsucher. Alles liegengelassenes Kundenpotentiale, dass Bedarfe hat, die von der Amtskirche nicht gedeckt werden.  Keine schöne Perspektive oder altgriechisch von Heraklit: panta rhei πάντα ῥεῖ ‚ alles fließt…

 

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About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter