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Mensch-Tier-Bestattung Hamburg

Mensch-Tier-Bestattung
Written by Giovanni

Die Hamburger Bürgerschaft hat eine Novellierung des Hamburger Bestattungsgesetzes beschlossen am 22.10.2019. Es soll erstmalig in Hamburg möglich sein, dass Menschen und Tiere auf dem Friedhof auf einer Grabstätte legal beigesetzt werden können. Hier eine kleine Randnotiz im NDR, link. Wie ich von Prof Fischer weiß, ist das Thema gerade hochaktuell und wird in Vorträge über das Thema Mensch-Tier-Bestattung in kurzen Abständen mit seiner Expertise als Völkerkundler beleuchtet. On the long run kann man auch sagen, dass die Friedhöfe sich dadurch interessanter machen möchten, weil ganz viele Friedhöfe Belegungsprobleme haben, bzw. sich positiv abgrenzen möchten von den Seebestattungen und einen echten Mehrwert bieten möchten.

Ich weiß von Kundenwünschen, dass es ein echtes Bedürfnis gibt, mit seinem liebsten Haustier in dem gleichen Grab liegen zu dürfen. In sofern ist die Gesetzesänderung schon angemessen und kundenorientiert. Angeblich soll faktisch die Umsetzung des Gesetzes erst in einem Jahr, sprich im Herbst 2020 möglich sein.

In der FAZ ist dem Thema Mensch-Tier-Bestattung ein wirklich langer Artikel gewidmet, link. Zitat FAZ

geplant ist:“ ein Hektar großen Grabfeldes auf dem Ohlsdorfer Friedhof, sagte der Sprecher der „Hamburger Friedhöfe“, Lutz Rehkopf, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es werde optisch abgegrenzt, um die Gefühle anderer Friedhofsbesucher nicht zu verletzen. Angedacht sei die Bestattung von Kleintieren wie Hund oder Katze, nicht dagegen von Pferden oder anderen größeren Vierbeinern.“

Tierbestattung auf Menschengräbern nur für Feuerbestattung genehmigt

Ganz wichtig zu wissen: Die Tiere müssen erst durch eine Feuerbestattung transformiert werden und zu Asche werden. Wer die Feuerbestattung aus theologischen oder sonstigen Gründen ablehnt, für den ist die als so innovativ gepriesene Form der Mensch-Tier-Bestattung nichts.  Wenn wir uns überlegen, dass der Friedhof eine der wenigen Zonen ist, die nicht über eine Videoüberwachung verfügen, sollten wir einfach unsere Fantasie ein wenig freien Lauf lassen. Rein biologisch macht es keinen Unterschied, ob in der Erde ein Mensch qua Naturkräften, sprich Autolyse, transformiert wird zu Naturbestandteilen, gleich Erde oder ob dort eine Katze oder Hund auf genau dem gleichen Wege transformiert wird.

Die Hamburger Bestattungsinstitute für Menschen bereiten sich darauf vor, auch eine Bestattung ( Feuerbestattung) für Tiere anbieten zu können. Bisher gab es eine klare Trennlinie für Menschen-Bestatter und Tierbestatter. Laut FAZ gibt es nur 150 Tierfriedhöfe in Deutschland. Das mag daran liegen, dass es keine Bestattungspflicht die Totenasche der Tiere in Deutschland gibt und man die Tiere in der transformierten, kremierten Form im Garten begraben kann, oder sich auf den Kamin stellen.

Trauerfeiern für Tiere?

by the way: Eine Trauerfeier für Tiere mit theologischer Begleitung durch einen christlichen Pastor oder Pastorin der Amtskirche ist nicht möglich, weil die Amtstheologie verkündet, dass Tiere kein Seele hätten. Eine gewagte These, die wohl auf die These zurückgeht, dass der Mensch als „Krone der Schöpfung“ eine Kategorie sui generis darstellt und als Gattung einzig mit einer Seele beschenkt sei. Ich habe aber auch schon mal gehört, dass Pastoren außerhalb ihres Amtes und ohne Robe, sprich Talar Aussegnungen und Trauerfeiern  für Tiere vornehmen, weil sie mit der Dogmatik nicht einverstanden sind.

Als Wissenschaftsgläubiger frage ich mich, wie man zu dem obigen Urteil kommt. Da man bisher auch beim Menschen eine Seele nicht wissenschaftlich nachweisen kann, und doch Millionen bis Milliarden Menschen daran glauben, dass der Mensch eine Kombination aus Körper und Seele ist ( Descart Dualismus: res extensa und res cogitans) , könnten doch Tiere genauso beseelt sein. Zumindest lese ich bei Spektrum.de jede Woche, wie sozial sich Elefantenherden aufstellen und auch um Tote trauern. Warum sollen Tiere keine Seele haben? Insofern ist es völlig legitim und bald auch legal, Tiere auf einem staatlichen Friedhof zu bestatten. Ob die theologischen Friedhöfe auch solche Möglichkeiten eröffnen mag ausdrücklich dahingestellt bleiben.

Bildrechte pixabay CC Mihail_hukuna

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter