aa -Tagesimpulse Lebensführung

Nein Sagen

Nein sagen
Written by Giovanni

In einer super luzide ausgerollten Gedankentreppe hat Pastor Daniel Bartz am 16.09.18 in seiner Predigt im Hamburg Projekt, link,  dargelegt, dass es eine Konstante in unserem Sein ist zu Handeln. Handeln kann und muß eine Auswahl-Entscheidung zur Grundlage haben. Auswahl ist ein Kennzeichen unserer Welt im 21 Jahrhundert. Vor 200 Jahren hatte der Bauer in Mecklenburg bestenfalls die Möglichkeit gehabt einmal im Leben nach Berlin zu fahren, wenn er jemanden gefunden hat, der seine Tiere versorgt. Mal eben nach Ibiza zu fliegen war aus finanziellen und technischen Möglichkeiten undenkbar. Doch wir können solche Wege jederzeit gehen. Fraglich ist, ob wir das wirklich brauchen für ein glückliches Leben und eine glückliche Lebensführung.

1.Eventisierung unseres Seins – Nein Sagen

Und ein Kennzeichen der Großstadt ist das Überangebot an Events. In Berlin soll es pro Tag 300 Veranstaltungen geben bei 3 Millionen Einwohnern. Im verpennten Hamburg gibt`s zum Glück nur eine bis zwei gute Events pro Tag. Der Veranstaltungskalender weist sicherlich 50 Optionen auf.  Da wir uns nicht zweiteilen können, müssen wir eine Auswahlentscheidung treffen. In diesem Entscheidungs-Kosmos äugt uns der Imperativ und Angst an: Hey du könntest was wichtiges, einzigartiges verpassen. Pastor Daniels wichtige Botschaft:  Entspann dich und laß dich nicht aufs Glatteis führen.  Jeder behauptet das Schönste und Wichtigste an Event zu bieten und doch sind das nur gesetztes Behauptungen der Veranstalter, die im Zweifel nur Geld verdienen möchten.

Triff lieber eine kleine Auswahl und sei beglückt von dem, was du erwählt hast.

2. Angebote Ablehnen – Nein Sagen

In der Welt von Millionen von Möglichkeiten und der größeren Netzwerke kann es passieren, dass du von Einladungen, z.B. zum Abendessen überhäuft wirst. Auch hier gilt der gleiche, oben ausgeführte Grundsatz:  Begrenze dich und sag nein.  An dem lebendigen Beispiel der Einladung seines Bruders zum Geburtstag, den er sehr mag, zeigte uns Daniel, wie gerne er zur Geburtstagsfeier gegangen wäre, aber er aus Ressourcen- Gründen seiner inneren Kraft schlichtweg NEIN gesagt hat. Es hat ihm geschmerzt und es war eine widerständige Entscheidung, aber er hat sie durchgezogen.  Der Punkt ist, dass wir nicht nur unsere Anwesenheit aufgrund des Raum-Zeit- Kontinuums einmal verteilen können, sondern auch unsere Kraftreserven. Wenn diese angefressen sind oder aufgebraucht, weil z.B. die jüngste Tochter ständig schreit, dann ist klar, dass man nicht über seine eigenen Grenzen hinausgehen kann. Die Familie ist das Wichtigste und dann die eigene geistige und körperliche Kraft.  Grenzüberschreitungen findet der Körper nur manchmal gut, meistens nicht. Das Entscheidungen oftmals ein Abwägungsprozess sind, ist eine Selbstverständlichkeit, die in allen Lebensbezügen gelten. Entscheidungen sind meist nicht weiss oder schwarz, sondern es gibt differenzierte Grau-Bereiche.

a) Nein sagen in einer guten Form

Es kommt drauf an, dass man das NEIN auch wohlbegründet vorträgt. Wenn es wohlbegründet ist, dann fühlt die andere Seite nicht so sehr den Part der Ablehnung, sondern das Verständnis.

b) Nein sagen ohne Begründung

By the way:  Ablehnungen und Nein Sagen sind hübsch, wenn sie wohlbegründet sind.  Oftmals im Leben gibt es aber höhere Entscheidungen, z.B. eine Erkrankung, die sich jeglicher Begründungs-Kausalität entziehen.  Hier kannst du noch dreitausendmal fragen Warum und es wird dennoch keine Antwort geben, weil eine wichtige Anzahl von Ereignissen einfach auf uns einströmen, niederprasseln und sie als gegeben gesetzt sind.  Auch wir Menschenkinder können Entscheidungen negativer Art treffen, wenn wir aus dem Bauchgefühl heraus ein Nein fühlen.  Entweder wir sind stark und mächtig und vertreten das Nein ohne Begründung. Nicht so hübsch ist, sich eine scheinbare Begründungsebene für das Nein auszudenken, damit man dem anderen nicht zu sehr verletzt. Diesen Weg sollte man ernsthaft und kritisch abwägen. Authentisch ist eher der straighte Weg.

3. Nein Sagen bei Beziehung

Logo ist, dass auch im Kosmos von angehenden Beziehungen machmal, oftmals ein Nein in den Welten-Gefühls-Raum geworfen wird.  „Ich liebe dich nicht mehr, du bist mir egal, aus uns wird nichts“.  Klar bergen solche Neins Verletzungen.  Insbesondere hier sind die Begründungs-Pfade eher dürftig, was sich auch aus der Natur der Sache heraus ergibt, denn Gefühlsbahnen sind nicht wirklich deduzierbar. Hier ist im Lichte eines christlichen Umraums ein wichtiger Gedanke der göttlichen Sorge und Umsichtigkeit. Gott schaut auf unseren Lebenswandel und befördert Beziehungen, oder auch nicht. Das NO oder Nicht kann auch eine Entscheidung Gottes sein, die wir akzeptieren müssen, siehe auch Punkt 5.

4. Arbeits-Imperative – Nein Sagen

Auch soll es viele Menschen geben, die nicht Nein Sagen können bezüglich der Arbeitsimperative. Pastor Daniel nannte ein Gespräch mit einem Gemeindegründer aus Zürich, der ihm gezeigt hat, dass große wachsende Gemeinden nicht immer auf Kosten der eigenen Zeit-Ressourcen entstehen müssen. Wer in verantwortlicher Position in einem Unternehmen oder einer Gemeinschaft unterwegs ist, hat eine gute Chance von den Imperativen der Arbeit aufgefressen zu werden. Auch hier gilt es ein Stopp Zeichen zu setzen und NEIN zu sagen.

5. Nein gesagt bekommen

Wenn du den Job nicht bekommst, denn du gerne hättest, wenn du die Wohnung nicht bekommst, auf die du dich beworben hast, wenn du das Haus doch nicht kaufen konntest, was du gerne hättest, so hat die das Leben, der Weltgeist NEIN gesagt.  Ablehnung können wir meistens nicht so gut ertragen. Pastor Daniel führte aus, dass aber ein wohlgefälliger Gott Acht auf uns hat.  Ein NEIN kann auch für uns eine gute Entscheidung sein im Lichte des Gesamtwirkens aller dimensionalen Kräfte. Wenn Gott etwas anderes mit uns vor hat, oder findet, dass es noch nicht an der Zeit ist, xyz zu bekommen, dann sollten wir das akzeptieren und uns nicht aufregen, sondern uns fügen in die Gewissheit, dass der Plan Gottes uns in die wohlfühlsame. glücksgefüllte Richtung führen wird.

6. Konsumverzicht – Nein Sagen

In einer Welt, die von der Marktwirtschaft getrieben wird, in der es um das Anregen von Kaufwünschen und Kaufnotwendigkeiten geht, sollten wir uns in unserer Lebensführung immer fragen, ob das, was wir scheinbar so dringenst brauchen, auch wirklich einen wirklichen Gebrauchswert hat, oder ob wir uns auch nur wieder haben verführen lassen von den Möglichkeiten der Industrie-Welt.  Konsumverzicht muß nicht in aller Schärfe und Gänze gedacht und gehandelt werden, aber zumindest ab und zu sich ein NEIN- Brauche ich nicht- Schild zu setzen, macht dich entstpannter und froher, vielleicht auch glücklicher.

7.Sexismus und Mobbing – Nein Sagen

Natürlich wurde dann noch eine Lanze gebrochen für die #meetoo# Debatte.   Sexismus in der Arbeitswelt ist nicht angemessen für eine gottgefällige lebensweltliche Auffassung.  Bei den Männern sollte auch die Teilhabe an solchen Aktionen vermieden werden, die immer auf Kosten von Frauen Mädels gehen. Sexismus und Mobbing sind keine schönen Spielarten des Lebens und man kann sich dagegen wehren : schlichtweg dadurch, dass man NEIN sagt  und ggf. Verfehlungen öffentlich macht.  Selbst das Hamburg Projekt hat eine Stelle eingerichtet, bei der man sich beschweren könnte, falls es auch in der Gemeinde zu solchen moralischen Verwerfungen kommen sollte.

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter