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Pflegenotstand – Altenheim muss schließen

Plfegenotstand
Written by Giovanni

In Hamburg muss das erste Altenheim schließen, weil sie nicht genug Mitarbeiter, examinierte Pflegekräfte mehr finden konnten.  Spannend an der haarsträubenden Geschichte ist, dass die Geschäftsführung des Heimes, die AWO selbst schuld ist. Denn die AWO hatte sich aus der Tarifbindung qua Kündigung verabschiedet und zahlte deutlich unter Tarifvertrag. Kein Wunder das man dann kein neues Personal findet. Wir lernen daraus: Wer wie die drei Affen die Augen vor den Bedingungen im Arbeitsmarkt verschließt, gefährdet seinen Gesamtbetrieb. Für die AWO macht das auch kein gutes Bild in PR-Hinsicht, denn von der AWO hätte man eine vorausschauendere Betriebsführung erwarten müssen. Wie der FOCUS schreibt, ist die AWO erst jetzt wieder in Gespräche mit VERDI eingestiegen, wahrscheinlich um die Beschäftigungsbedingungen in ihrer zweiten Betriebsstätte zu verbessern. 24.000 Pflegekräfte soll es in Hamburg geben, die meisten auf Teilzeitbasis, habe ich bei einem VERDI-Vortrag gelernt, link. Davon sind aber nur 10 % der Arbeitgeber bereit den Tariflohn zu zahlen. Bei „Pflegen und Wohnen“, dem größten Seniorenheim-Betreiber der Stadt Hamburg sind Bezahlung über Tarif üblich. Also alles richtig gemacht bzgl. der Personalbindung, bzw. Personalneubeschaffung. Bei 2000 Mitarbeitern ist die Verantwortung groß, dass die Personalanforderungen der Betriebsstätten gut bedient werden können und gleichzeitig die Anforderungen des Eigentümers, eines Finanzinvestors aus den USA.

Hier der Bericht im FOCUS, link. 50 BewohnerINNEN müssen nun eine neue Bleibe finden.  Die Hamburger Gesundheitsbehörde ist entsetzt, zumal der Senat der Stadt Hamburg der AWO einen (teuren) Senatsempfang spendiert hatte zum 100 jährigen Bestehen der AWO.

Heimschließungen sind ein Phänomen, dass in Deutschland offensichtlich sich ausbreitet. Hier kannst du Schließungsmeldungen verfolgen. Entweder die Schließung wird von der Heimaufsicht angeordnet, oder die Geschäftsführung legt den Geschäftsbetrieb mangels examinierten Pflegekräften einfach nieder, wie in Hamburg.

Die Bundesregierung macht sich auch Gedanken zum Pflegenotstand und stellt immerhin eine Reihe von Zahlen bereit, hier klicken. Spannend ist und bleibt, die Bundesregierung zusammen mit den Ländern und Kommunen den jetzt wirklich fühlbarem Pflegenotstand begegnen möchte. Neulich wurde im Radio verkündet, dass man mit Regierungsunterstützung eine Krankenpflegeschule in Thailand gegründet hätte, um dort Personal auszubilden und dann später in Deutschland und Hamburg arbeiten zu lassen. Ob das der Weisheit letzter Schluß ist, muss ausdrücklich dahingestellt bleiben.  Vielmehr sollte man jungen Menschen in Deutschland für den Pflegeberuf begeistern und einen vernünftigen Lohn bezahlen.

Sterben auf Raten

Wie man der Pressemeldung der AWO entnehmen kann, link, war die Schließung des Hauses in der Hagenbeckstraße ein Sterben auf Raten. Wegen des Pflegekräftemangels und den gesetzlichen Vorgaben, wie viele examinierte Pflegekräfte in einer Schicht präsent sein müssen, ist eine ganze Etage geschlossen worden.  Seit Jahren behelfen sich in ganz Hamburg viele Pflegeinstitutionen mit Zeitarbeitskräften. Das ist aber nur eine Hilfskrücke, weil vor allen Dingen betriebswirtschaftlich die Zeitarbeitskräfte die Jahresbilanz verhageln.  Auch große Träger wie die AWO sind naturgemäß gezwungen betriebswirtschaftliche Maßstäbe  in der Unternehmensführung an den Tag zu legen.  Erster Schritt für zufriedene Mitarbeiter ist ein angemessener Lohn, hier also mindestens Tarif-Lohn.

update 2019 Sommer – Pflegenotstand:

Die Bundesregierung hat beschlossen, dass die Pflege deutlich besser bezahlt werden soll. Wie das finanzierungstechnisch geht, bleibt allerdings offen. Hier zu NTV sufen, link. Wenn du diesem Link folgst, landest du beim Bundesgesundheitsministerium, die sich ausgiebig über die neuen Finanzierungsquellen und Qualitätsaufstockungen in der Pflege auslassen. Leider bedarf es für diese superschönen Maßnahmen aber auch des Personals, damit man die Ideen im Kopf auch in der tatsächlichen Welt umsetzen kann. Im Hamburger Abendblatt wurde auf der eins geschrieben im Sommer 2019: “ Krankenhäuser drohen dem Senat mit massiven Stationsschließungen“, wenn das Pflegegesetz mit aller Konsequenz und Härte umgesetzt werden soll, link.  Spannend an dem Artikel ist, dass tatsächlich 1/3  aller in Hamburger Krankenhäusern behandelten Patienten gar nicht aus Hamburg kommt. Auf der einen Seite ist das schön, dass die Qualität der Krankenhäuser, wie UKE, oder die Endoklinik einen bundesweit guten Ruf genießt. Und die Charite in Berlin als auch das UKE vermarkten ihre Operationsmöglichkeiten auch gerne im internationalen Ausland. Auf der anderen Seite sollten dann die Gesetzgeber auch ihre Vorstellungen den Pflege-Realitäten anpassen.

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About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter