aa -Tagesimpulse Lebensführung

Potentialentfaltung

Prof Gerald Hüther zeigt uns, wie wir erfüllte Menschen werden, unabhängig von den System-Imperativen
Written by Giovanni

Gerald Hüther, link,  ist ein weltweit anerkannter Gehirnforscher und Prof. Wir haben über ihn schon mal hier berichtet: link. Die nachfolgend ausgebreiteten Gedanken sind formuliert in dem Film „Awade2Paradise„, link.  In dem Film werden verschiedene Vordenker und ihre Gedanken ausgebreitet.( Leider gibt es den Film zur Zeit nicht bei AMAZON als DVD, sondern nur als stream) In letzter Konsequenz geht es um das Generalthema der

Potentialentfaltung beim Menschen

Die Frage ist, so Hüther, was das Ziel von Schule ist und ob die Schulen gut sind. Mit einem deutlichst ironischen Unterton beschreibt er die Funktion von Schule als systemisches Stützungsinstrument, Prof. Niclas Luhnmann lässt grüßen, das dazu dient Menschen heranzuziehen, die systemstabilisierend das System ansich nicht hinterfragen qua ihrer naturgegebenen Phantasie, sondern die Schüler  selbst kleines Mikro-Teil des Systems werden. Eines der systemischen Spielbälle, die das System bedingungsnotwendig braucht, um gut zu funktionieren, sich zu stabilisieren und sich auszubreiten.( Eine der Kernthesen der Systemtheorie von Luhmann ist, dass Systeme selbstreferentiell sind). Hüter sagt, dass im alten Preußen das Ziel der Schulerziehung der Kinder war möglichst viele Diener des Königs zu formen, die den Staatszielen sich unterordneten und dem König dienten, und zwar unkritisch und systemkonform. Nach dem 1. Weltkrieg war das Ziel Patrioten zu formen, die gerne Soldaten werden- (um den Schmach des verlorenen Krieges und den Versailler-Vertrag durch einen Sieg wettzumachen. (Was für eine peinliche Macht-Phantasie))

Ziel-Formung in der Schule bei einer Konsumgesellschaft ist die innere Unzufriedenheit

Prof Gerald Hüther meint, dass die Konsumgesellschaft  das Ziel hat möglichst viele Menschen dahingehend zu erziehen, dass sie Menschen das  Gefühl haben, dass es ihnen nicht so gut gehe und ein Mangelwesen seien. (Was für ein spannender Gedanke!) Das Ziel der Formung sind Defizit-Persönlichkeiten.

Die Schule ist ein Kosmos, der uns in die Wertegemeinschaft der Konsumgesellschaft presst, oder zu pressen sucht, um möglichst viele hungrige, unzufriedene Konsumenten zu züchten, die möglichst viel Geld ausgeben, um ihre innere Unzufriedenheit, gefühlte Leere, auszugleichen. Das heißt qua Konsum-Handlung, sprich Kaufhandlungen wird (scheinbare)  Zufriedenheit ausgelöst. Zufriedenheit können auch durch andere Schein-Parameter gepushed werden wie beispielsweise möglichst viele Herzen bei Instagramm, viele Likes bei Facebook möglichst viele (entfremdete) Kommunikation via Whatsapp oder Snapchat. Alle diese Schein-Impulse sind Augenwischerei im Sinne des Topos  von Annahme und Geliebtheit.

Hüther formuliert: Viele Kinder fühlen sich nicht gesehen, leiden an ungestillten Bedürfnissen. Sie laben sich an Ersatzbefriedigungen. Das wichtigste Moment bei Kindern ist die Lust am Lernen. Diese schier unstillbare Lust geht nach Prof. Hüther genau bis zur Schule und wird dann vermindert bis ausgelöscht. „Die Lust am Lernen verschwindet nie, solange sich das Kind als Subjekt wahrgenommen fühlt und als Gestalter des eigenen Lernprozesses erlebt. Die Lust am Lernen schwindet sofort, wenn man das Kind zwingt etwas zu lernen, was nicht originär selbst aus dem Kinder heraus erwächst“.

Was macht Schule mit der Phantasie der Kinder?

1. Objekt-Schaffung des Gegenüber

Wenn man das Kind zum Objekt von Bewertungen macht, dann erlebt das Kind sich nicht als Gestalter, sondern ist schmerzhaft im Gehirn verzerrt in seiner Weltbewegung. Die Eingebundenheit in soziale Beziehungsgefüge ist so wichtig, dass das Gehirn die gleichen Netzwerke benutzt, wie wenn es im Körper auf physiologischer Ebene Schmerzen registriert. Wenn das Kind spürt, dass es zum Objekt wird, werden innere Widerstände ausgelöst. Die Widerstände können aufgelöst werden durch Anpassung. Widerstände können gebrochen werden, indem der Anforderungsgeber, Lehrer, Mama, Papa, selbst zum Objekt gemacht wird, z.B. durch den Satz „Blöde Mama, doofer Lehrer, dumme Kuh“. Wenn man den anderen zum Objekt der eigenen Bewertung macht, entkommt man der Systemfalle. Natürlich ist das nicht zielführend im Sinne eines erlösten Lernprozesses. Der Anforderungs-Ansager und der Schüler können einander nicht mehr entspannt begegnen, weil dann keine gleich-augenhöhe Begegnungsebene mehr möglich ist. Das Kind lernt in seiner Sozialisation, dass es andere Menschen zu Objekten degradiert. Das Kind lernt, wie es Andere zum Objekt seiner Bewertungen, Absichten und Ziele und Maßnahmen machen kann. Eine gute Begegnungs-Ebene ist die von Subjekt zu Subjekt. Ver-Objekthaftung von dem Subjekten führt zu unausgeglichen Kommunikationsprozessen und a la long zu einer verschobenen Weltwahrnehmung.

Wenn man dieses Funktionalisierung fortschreibt, kommt man schnell zu den Führungskräften, die in ihrem Kernstreben, in ihrer Denk-DNA verankert habe, ihre Objekte, auch Mitarbeiter genannt, schauspielartig aufzustellen, weil sie in ihrer Funktion als Mitarbeiter sich genau in dem Kanon bewegen sollen und dürfen, die es die jobdescription vorgibt, oder um beim Schach-Vergleich zu bleiben, die sich in den Bahnen bewegen dürfen, die die Figuren qua Regelwerk vorgeschrieben bekommen haben. Der Turm darf eben nur gerade Linien ziehen, während der Läufer nur Diagonale Lienen ziehen darf. Systemsprenger sind beim Schach nicht erlaubt und im Wirtschaftsleben nicht gern gesehen, bzw. werden bei strengen, freiraumlosen Führungs-Strukturen entfernt.

Hüther führt aus, dass die erfolgreichen Führungskräfte ein riesen Problem haben, weil sie zwar die Puppen tanzen lassen können, aber sie sind nicht offen für input und „deren Welt im Kopf ist eigentlich tot, es gibt keine Überraschungen mehr, man verroste  hirntechnisch“.

2. Objektschaffung des Selbst- Selbst-Degradierung

Der alternative Weg aus der Klemme herauszukommen, dass man sich den Anforderungspotentialen der Schule und Lehrer beugen muss ist, dass man sich selbst verobjektiviert. „Ich bin blöd, ich kann kein Mathe, ich bin nicht geliebt, whatever“.  Wenn ein Mitschüler diesem Menschlein sagt, du bist aber blöd, dann nickt es innerlich mit dem Kopf und sagt, dass weiß ich ja schon und damit perpetuiert sich die non-selbstliebende Einstellung gegenüber dem Selbst. Dann tut es nicht mehr so weh, wenn man gedemütigt wird. Wer aber als Basis kein gutes, erfülltes Selbstverhältnis hat, der bekommt auch fürderhin keine guten Beziehungen zu anderen Menschen hin. Daran krankt die Welt, dass wir Kinder groß ziehen, die mehr die Objekt-Ebene sehen und nicht auf der personalen Subjekt-Ebene. Siehe hierzu auch der wunderbare Text von Charly Chaplin „Als ich mich selbst zu lieben begann“, link.

Prof Gerald Hüther zeigt uns, wie wir erfüllte Menschen werden, unabhängig von den System-Imperativen

Prof Gerald Hüther zeigt uns, wie wir erfüllte Menschen werden, unabhängig von den System-Imperativen

Wie kann die Potentialentfaltung stattfinden?

Potentialentfaltungen kann nur stattfinden, wenn wir nicht in diesem Teufelskreis, circulus vitiosus,  der Objekt-Orientierung herausfinden. Das ist eine problematische Beziehungserfahrung, die schon oft in den Familien stattfindet, weil die Eltern damit anfangen und die Schulen sind der Ort wo man zum Objekt gemacht wird. Menschen müsste man in Schulen als Einzelnes betrachten und als Schatzsucher der Potentiale des einzelnen Kinder finden wollen. Das kann aber Schule aber nicht leisten, weil der Lehrstoff durchgezogen werden muss.  Es gäbe kaum noch Kinder, die ganz ihrer Leidenschaft folgend leben. „Am Ende kommen leidenschaftslose Pflichterfüller heraus.“ so Prof Hüther  Die Herausforderungen der Zeit kann man nur begegnen durch Co-Kreativität, also im gemeinsamen Handeln von super kreativen Menschen, die sich gemeinsam mit einer partnerschaftlichen Zusammensein als Subjekt begegnen.

„Wir brauchen Menschen,die etwas gestalten, Klugscheißer haben wir genug“ so Prof Hüther.

wie können wir innerlich Wachsen?

wie können wir innerlich Wachsen?

Geo schreibt über die moderne Technik-Gesellschaft:“ Die Illusion gründet darin, dass viele Menschen inzwischen ihr Glück allein daran bemessen, wie viele Optio­nen sie haben. Ihre ganze Libido hängt mittlerweile am Erschließen von Op­tionen. Das aber ist ein kultureller Irr­tum, denn das Leben wird erst dann gut, wo man eine Möglichkeit auch tat­sächlich umsetzt.“ Quelle GEO, link.

Wie funktioniert Lernen grundsätzlich?

Lernen funktioniert nachhaltig gut, wenn es einem unter die Haut geht. Prof. Hüther nennt diesen Moment die „emotionale Aufladung“. Das findet statt, wenn es etwas ist worüber man sich freut, mit einer tiefen Freude verbunden. Lernstoff kann man auch hilfsweise aufladen, weil man jemanden gefallen will, wie man Mama gefallen, dem Lehrer gefallen. Hüther kritisiert, dass man die Motivation nicht aus der Ergattern von Belohnungen ziehen sollte.  Netzwerke werden gebahnt, durch neuronale Verknüpfungen. So können am Ende des Tages auch in einer anderen Sprache Sätze und Gedanken flüssig formuliert werden. Am Ende der Nervenstränge werden neuronale Botenstoffe ausgeschüttet. Wenn die Lernerfahrung positiv ist, dann werden viele von diesen Botenstoffe ausgeschüttet. Diese Botenstoffe wirken als neuroplastische Wirksam, dass heißt wirken wie eine Art Dünger im Gehirn.

Diese Hirn-Düngung findet auch bei einem guten Achtsamkeitskurs statt, hier weiterlesen. Auch hier ist nachgewiesen, dass durch die Meditation neue Verknüpfungen im Gehirn gebahnt werden, wenn man sich täglich mit dieser Entkopplung von den außer-weltlichen Impulswelten beschäftigt. Auch spannend ist der Beitrag von JETZT zum Thema richtiges lernen, hier klicken. Der Neurowissenschaftler Henning Beck  führt aus, dass das Gehirn mitnichten einen Festplatte ist, die man nur befüllen muss, sondern es ist ein hochkomplexes Wirkgefüge, dass man durch eigenes Verstehen des Lernstoffes am besten füttert.

Bildrechte Institut für Lebenskunde; Conny Jenkel

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter