Übergänge

Präfinal Phase

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Written by Giovanni

Präfinal Phase

Am Ende eines jeden Lebens schränken sich die Körperfunktionen ein. Überdosierte Sauerstoff-Gabe ist genauso wenig notwendig, wie Essen und Trinken, denn der Körper hat seine immerwährende Programmierung  von Leben und Überlebensmodus umgestellt auf Sparflammen-Leben.

Wichtig ist, dass der Mundraum nicht austrocknet. Daher muss man weder mit Infusionen noch mit literweisen Trinken dem Körper H20 zuführen. Es reicht schlichtweg den Mund mit Wasser zu benetzen.

Achtung: Die nachfolgenden Ausführungen ersetzen keine ärztliche Beratung ! In der Präfinalphase ist eine Begleitung durch ein SAPV Team und oder einen Palliativmediziner immer angeraten. Gute Allgemeinmediziner oder Internisten können auch das Lebensende in der Präfinalphase gut begleiten und die entsprechenden Palliative Versorgung mit Medikamenten einleiten, sicherstellen und indikationsabhängig ändern. 

Man kann mit Öl zum Salben positives bewirken, wie auch mit Duftlampen und kleinen Handmassagen. Näheres zum Thema lernen Pflegekräfte und Ehrenamtliche im Curriculum der Robert Bosch Stiftung Praxis Palliativ, oder in der großen Palliativausbildung für Pflegekräfte.

Wichtig ist auf jeden Fall für die

letzte Lebensphase- Präfinal-Phase –  die spirituelle Begleitung.

  • evangelische Christen  -auch hier ist eine Aussegnung durch den Pastor oder Pastorin möglich – “ Jeder Christ hat das Recht seinen Pastor anzurufen in der praefinal Phase und zu bitten einen letzten Segen zu empfangen“. ( Pastorin Dr.  Kayales, 2017)
  • katholische Christen  – hier ist eine Aussegnung und letzte Ölung durch den Priester das Mittel der Wahl. Dieses Ritual ist im Glaubensspektrum der Katholiken wichtig, damit man von allen Sünden befreit in das jenseitige Reich eintreten kann und es tut einfach gut.
  • wir selbst, also jedermann und jederfrau, sind ermächtigt mit Salböl Segen auszusprechen für den Übergang, bzw. selbst einen Segen auszuteilen. (habe ich auf einem Segnungs-Seminar bei Pater Anselm Grün im Kloster Münsterwarzach gelernt 2009, link.)

Angst am Lebensende – Präfianal Phase

Wundert euch nicht, wenn die Menschen am Lebensende zittern. Das kann aus Schwäche geschehen, oder auch aus Angst. Ich habe das mehrfach als Sterbebegleiter erlebt, es ist ein natürlicher Prozess.  Oder allgemeiner formuliert. Das Sterben ist letztendlich auch ein natürlicher Prozess. Wir betrachten ihn aber nicht so. Tröstlich ist, dass die Seele in einer neuen Welt neu geboren weiterleben wird ! Zumindest kann man diesen Gedanken verfolgen, wenn man sich mit spirituellen Quellen beschäftigt und sie in sein Lebenskonzept einwebt.

Bildrechte pixabay CC Kaedesis

In der Präfinalphase kommt es zur Einschränkung des Atmens, _Der Atem wird unregelmäßig und setzt auch zwischenzeitlich für kurze Perioden aus,  die Vitalfunktionen werden schwächer und irgendwann tritt dann der Herzstillstand ein, Asystolie.

Wie können wir die Präfinal-Phase gut begleiten?

Laut dem Deutschen Gesetzgeber dürfen Mediziner seit 2017 Cannabis verschreiben für Sterbende und Moribunde, um die Schmerzen deutlich zu mindern. Wie man auf dem Internationalen Palliativ Kongress in Sylt 2018 von Prof. med. Gottschling erfuhr, ist es aber nicht so, dass Cannabis jetzt flächendeckend eingeführt worden ist, weil die Kassen im Verbund mit dem MDK, also den Kassenwarten der Medizinversorgung sehr restriktiv mit den Genehmigungen umgehen.  Schon seltsam, dass ein Professor der Medizin das anordnet und die Kasse sich verbiegt und eine Genehmigung versagt. Hier weiterlesen

Was wir in der Präfinal-Phase bei Behandlungs-Optionen beachten müssen

In einem dezidiert fundierten Buch des Palliativ-Mediziners Dr.med Thöns wird ausgeführt, dass man die Präfinal-Phase als solche auch anerkennen sollte und nicht die „Chemotherapie bis ans offene Grab“ fortführen sollte.  Thöns zeigt uns, dass nicht jeder Ratschlag, jede Behandungs-Empfehlung am Lebensende gesteuert ist von einer Indikation zur Heilbehandlung, sondern insbesondere die angestellten Krankenhausärzte sinnfreie Behandlungen empfehlen, die dem Patienten nur Schmerzen bringt, kein Heilerfolg und viel Geld für das Krankenhaus.  Hier kannst du zu weitersurfen zu unserer Buchbesprechung, link.

Der/die Patient-IN als Melkkuh des Systems Krankenhaus, weil die Kassen zahlen müssen. Laut Gesetzeslage muss aber jede Operation oder Chemo-Therapie der 3. Linie einen Heilerfolg versprechen, der auch halbwegs realistisch ist. Daher ist es wichtig, dass du eine Patientenverfügung hast, oder über eine verfügst, wenn du Angehöriger bist, oder noch bessere eine notarielle Generalvollmacht, link. Mit der Verfügung in der Hand kannst du dich gegen intensive Ratschläge von Krankenhausärzten wehren. Die Ärzte müssen sich an die Patientenverfügung halten.

Eine sehr lesenswerte Schrift aus Norwegen kannst du hier finden zur Präfinal-Phase, link. Zitat aus dem Lehrbuch: „Früher nannte man Lungenentzündung Freund der Alten“ antworte ich. – „Früher oder später kommt das Lebensende, gleichgültig welche Anstrengungen wir unternehmen, damit der Patient am Leben bleibt“

Hospiz Versorgung ist das Mittel der Wahl

Ein interessantes Video zur Lebens-Endlichkeit kannst du hier sehen, link. Was ich an dem Bericht über die Praefinal-Phase aus Österreich beeindruckend finde ist, dass ganz klar Position bezogen wird gegen den Sterbe-Tourismus in die Schweiz: “ Wenn man in eine umfängliche und ordentliche Hopsizversorgung integriert wird, dann können auch die letzten Lebenstage schmerzfrei verbracht werden“.

Gibt es Wunder in der Präfinal-Phase?

Tatsächlich weiß ich aus Hospiz-Kreisen in Hamburg, als auch von dem Palliativ Kongress in Sylt 2018, dass es aus wissenschaftlich nicht nachvollziehbaren Gründen zu Spontan-Heilungen kommen kann. Es gibt sie, aber sie spielen  sich im einstelligem Prozentbereich ab. Selbstverständlich darf man auf Wunder hoffen und doch sollte man realistischer Weise auch an irgendeiner Stelle des Weges eine Akzeptanz des Todes entwickeln; jetzt Gehen zu müssen. Man kann darin auch eine positive Perspektive sehen, denn viele Nah-Tod-Erlebende sprechen von einem lichtdurchfluteten neuen Reich. Hier weiterlesen zu diesem Thema.

Gibt es ein Wundermittel zur Heilung von Krebs?

Krebs kann in vielen Fällen geheilt werden, weil die Pharamaindustrie inzwischen viele neue Medikamente erfunden hat.  Dennoch gibt es auch infauste Prognosen, die man hinterfragen kann, was wohl viele Menschen machen, aber am Endergebnis nichts ändert.  Es bleibt einfach dabei, dass die Perspektiv-Entwicklung den Experten vorbehalten bleibt und das sind hier die Ärzte. Wenn Du versuchst dich im Internet schlau zu machen vergisst du folgendes:  1. im Netz gibt es wenig wissenschaftliches, weil das, zurecht, von den Verlagen wegen des Urheberrechts zugänglich gemacht wird. 2. viele Berichte von Fernseh-Sendern und der nicht wissenschaftlichen Presse leider überhaupt nicht fundiert sind wissenschaftlich, heißt sie berichten von Wundern-Heilmitteln, deren Evidenz nicht gegen ist.  So rangiert Methadon inzwischen ganz oben auf der Wunderheil-Liste und dennoch ist keine valide Studie dazu verfügbar. Hier weiterlesen zu dem Thema von FAKE-News in der Medizin, link.

Kongresse 2018 zur Präfinal-Phase

Der nächste Kongress, der sich auch mit dem Umfeld der Präfinal-Phase befasst, ist die große Pflegemesse „Leben und Tod“ im Mai in Bremen, hier weiterlesen. Insbesondere der Fachvortrag eines Medizinethik Profs zum Sterbefasten scheint spannend zu sein. Am Samstag widmet sich der Kongress thematisch den Nahtod-Erfahrungen und Berichten.  Ich freue mich auf den Deutschen Palliativ-Kongress im September in Bremen 2018.

Internationaler Palliativ-Kongress in Berlin 2019

Im Mai fand ein gigantischer Palliativ-Medizin-Kongress statt mit mehreren tausend Teilnehmern. Über mehrere Tage trafen sich Wissenschaftler und Interessierte aus der ganzen Welt, um das Thema fortzudenken, bzw. Erfahrungen auszutauschen. Hier der link zum Kongress, an dem ich auch teilnehmen konnte. (Zu einem dezidierten Bericht darüber komme ich erst in der Winterzeit). Der nächste weltweite Palliativ-Kongress findet 2021 in Helsinki statt, link.

Suizid in der Prae-Final-Phase ethisch, juristisch erlaubt?

In einem aktuellen Bericht über einen Erlass des B-Gesundheitsministers Sp. wird herausgestellt, dass die BReg sich gegen die oberstgerichtliche Anweisung verweigert bei Suizid-Wünschen in der PraeFinalPhase dieses mit staatlicher Finanzierungsbeihilfe zu unterstützen. Ob dieses extrem restriktive Vorgehen menschenwürdig ist, mag dahingestellt bleiben. Hier weiterlesen. Wir denken, dass noch lange nicht das juristische Ende der Fahnenstange diesbezüglich gesprochen ist. Laut einer Reihe von Palliativ Ärzten reichen manchmal alle gängigen Präparate und Opioide nicht aus, um eine akzeptable Symptomkontrolle gewährleisten zu können. …. Nicht, dass die Autoren hier mißverstanden werden: der assistierte Suizid ist nur in sehr sehr engen Grenzen zulässig als alles letztes Mittel der Wahl, die ultima ratio.

Bekanntlicher Weise gibt es zur Regelung dieses Problems in der Schweiz und in den Niederlanden Vereine, die die geforderten Lösungen bieten…

Ethisch ist Suizid aus christlicher Sicht nicht zu rechtfertigen.  In der Katholischen Kirche war es Jahrhunderte lang üblich, dass Suizidanten auf einem Acker begraben worden sind, vor den Toren der Stadt und nicht auf einem christlichen Friedhof.

Das Geschenk des Lebens ist nicht durch Menschen Macht zu verkürzen !

Fachkongress für Palliativ Medizin und Pflege 2019 auf Sylt

Wer als Ehrenamtlicher, oder als Pflegekraft oder als Palliativmediziner seinen Horizont erweitern möchte, der sollte sich auf die weite Reise nach Sylt machen, um dort für ein paar Tage seinen Horizont zu medizinischen neuesten Forschungserkenntnissen, und spirituellen Ebenen der Abschiedlichkeit, rsp Palliativ Care zu erweitern, wozu bedingungsnotwendig dann die Präfinal-Phase gehört, hier klicken.

Die Bundesregierung hat durchaus gesehen, dass am wichtigsten für den Lebensübergang ist, dass man Regelungsverfügungen aufgesetzt; diese schriftlich dokumentiert, am besten notariell besiegelt hat, damit es konkrete Handlungsanweisungen für den behandelnden Ärzte gibt wie in lebenskritischen Situationen zu agieren sei. Dazu ist ein Rahmen geschaffen worden, den man „advanced care planning“ nennt. Hier weiterlesen zu diesem Thema, link.


Wikipedia schreibt :

Finalphase

Der Begriff (Prä-) Finalphase (lat. finis = Ende, Ziel) umschreibt die eigentliche Sterbephase und bezieht sich auf die letzten Stunden bis wenige Tage des Lebens (nach der Definition der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin 2003).

In dieser Phase steht bei der palliativen pflegerischen Versorgung die Wahrnehmung der Bedürfnisse des Sterbenden im Vordergrund. Bei allen Tätigkeiten sollte abgewogen werden, ob sie überhaupt notwendig sind, ob sie eine Belastung für den Sterbenden sind oder ob sie ihm Erleichterung verschaffen. Oft benötigt der Sterbende in dieser Phase kaum noch pflegerische Intervention; es sind oft eher die anwesenden Angehörigen, die der Unterstützung bedürfen.

Mögliche Anzeichen des bevorstehenden Todes 

Folgende Verhaltensveränderungen und Symptome bei Schwerkranken können auf den nahen Tod hinweisen (nach Kern und Nauck 2006[1]):

  • Extreme motorische Unruhe: wiederholter Drang zum Aufstehen, Nesteln, Umhergreifen, Entkleiden oder das Wegschieben der Bettdecke; oder aber
  • vermehrte Müdigkeit und Teilnahmslosigkeit, Apathie, zunehmende Somnolenz
  • längere Schlafphasen bis hin zum Koma
  • Reduzierung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme bis hin zum vollständigen Verzicht
  • Reduzierung der Urinausscheidung, evtl. Inkontinenz oder Harnverhaltung
  • kalte Füße, Arme, Hände (schwache Durchblutung) oder übermäßiges Schwitzen
  • dunkle, livide Verfärbung der Körperunterseite, Hände, Knie und/oder der Füße (Marmorierung)
  • bleiche, „wächserne“ Haut
  • ausgeprägtes, bleiches Mund-Nasendreieck
  • schwacher Puls
  • Blutdruckabfall (an der Pulsqualität erkennbar – eine Messung des RR ist in dieser Situation nicht angemessen, zumal die Feststellung des Wertes keine Konsequenzen nach sich ziehen würde)
  • reduzierte Wahrnehmung der Außenwelt (Zeit, Raum, Personen)
  • veränderter Atemrhythmus (Cheyne-Stoke’sche Atmung, Schnappatmung)
  • Atemgeräusche wie das präfinale Rasseln

Aufgaben der Pflege

In der Finalphase haben Pflegende die Aufgabe, die nicht unbedingt mehr klar geäußerten Bedürfnise des Sterbenden wahrzunehmen und zwischen ihm und seinen eventuell verunsicherten Angehörigen zu vermitteln. Das bedeutet, dass die an sich normalen Vorgänge erläutert werden müssen, da nur wenige Menschen Erfahrungen mit Sterbenden haben oder sogar falsche Vorstellungen aus TV oder Film für die Norm halten.

Gerade bei Agitiertheit überträgt sich die Unruhe leicht auf die Anwesenden. Unkoordinierte Bewegungen und Lautäußerungen des Sterbenden, welche auf Grund des Ausfalls zentraler Steuerungsmechanismen entstehen, werden oft fälschlich alsTodeskampf gedeutet. Anwesende, die über diese normalen Vorgänge nicht informiert sind, verfallen womöglich in Aktionismus, was die ganze Situation noch belastender machen kann als sie ohnehin schon ist. Angehörige müssen darüber informiert werden, dass ein Sterbender nicht unbedingt still im Bett liegen muss, sondern mit Unterstützung durchaus auf der Bettkante sitzen kann, bis er signalisiert, dass er sich wieder hinlegen möchte. Auch kurzes Aufstehen ist mit Hilfe wiederholt möglich. Es ist auf alle Fälle besser, den Bewegungsdrang zu unterstützen, als den Sterbenden davon abhalten zu wollen; zwar fordert es den Beteiligten sehr viel Kraft ab, führt aber letztendlich zu einer Beruhigung des Sterbenden.

Auch das Aufdecken oder sich Entkleiden ist häufig zu beobachten, was Angehörige sehr irritiert, wenn der Sterbende ohnehin schon kalte Extremitäten hat und sie eher versuchen, ihn mit warmen Decken, Socken und Wärmflasche „aufzuheizen“. Eine Erläuterung hilft auch hier zu mehr Verständnis: Das Abstreifen der irdischen Hüllen kann eine symbolische Handlung sein, ähnlich der Symbolsprache Sterbender; der Mensch kommt nackt auf die Welt und will sie auch nackt wieder verlassen. Das Akzeptieren eines solchen Anblicks ist natürlich eine Herausforderung an das, was wir als würdig empfinden. Ein Kompromiss kann eine leichte Decke sein, die man dem unbekleideten Sterbenden überlegt.

Unruhe kann auch körperliche Ursachen haben, z.B. Harn- oder Stuhldrang bzw. Harnverhalt, starke Schmerzen, Luftnot. Diesen Beschwerden kann mit palliativen Maßnahmen abgeholfen werden. Da diese Interventionen z.T. ärztlich angeordnet sein müssen, ist es sinnvoll, die möglichen Beschwerden und die entsprechenden Maßnahmen (insbesondere Medikamentengaben) schon vor ihrem Auftreten anzusprechen und Bedarfsgaben zu vereinbaren. Der Patient und seine Angehörigen sind bei diesen Vorüberlegungen möglichst miteinzubeziehen, damit es im Falle einer Krise nicht zu unnötigen Konflikten kommt, die auf Informationslücken beruhen. Solche im Vorfeld geführten Gespräche tragen zu einer offenen, vertrauensvollen Atmosphäre bei; auch das Gefühl von Sicherheit wird dadurch verstärkt.

 

  • Marianne Kloke, Klaus Reckinger, Otto Kloke (Hrsg.): Grundwissen Palliativmedizin: Begleitbuch zum Grundkurs Palliativmedizin. Deutscher Ärzte Verlag, Köln 2009

Abschiednahme im Krankenhaus

Selbstverständlich können Sie in Hamburg im Krankenhaus auch selbst Abschied nehmen, hier weiterlesen

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter