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Prof Recki: Stoizismus und Lebensbeendigung

Prof Birgit Recki hielt an der Uni Hamburg einen genialen Vortrag zum Thema Leben, Lebensbeendigung und der philosophischen Sicht auf das Lebensende am stoischer Sicht am 10.07.2015. Die Klammerbemerkungen sind vom Autor und zertifizierten Trauerbegleiter.


 

Epikur sagt. „Wenn wir sind, ist der Tod nicht da. Wenn der Tod das ist, sind wir nicht da“.  Prof Recki führt aus, dass eine Entdramatisierung des Todes nicht wirklich möglich ist über den Gedankengang von Epikur.

Seneca: „Philosophieren heißt Sterben lernen. “  Hauptgedanke ist die „souveräne Lebensführung“

Es wird die „Trostschrift an Marica“  von Seneca vorgestellt.  Marcia trauert das dritte Jahr über den zu früh gestorbenen Sohn.  In der klassische Stoa sollen alle Affekte vermieden werden durch die  Unterdrücken durch die Vernunft.  Seneca unterstützt diese Lebenseinstellung noch in seiner Schrift über den Zorn „de ira“.

Eine gedankliche Wandlung vollzieht Seneca in der Trostschrift:  Marcia sollte eine souveränen Gelassenheit leben. Eine neue, moderate Position folgt hin zu einem ausgleichenden mäßigender Umgang mit den Affekten. Hier ist eine gedankliche Rückbeziehung auf den Aristotelismus zu benennen: Das Richtige Maß ist zu leben.  Eine klassische Formulierung aus der aristotelischen Ethik.

Es sei natürlich, dass die Seele sich im angemessenen Abstand von dem Trauer Ereignis neu im Leben zu orten habe. Eine Übersteigerung und Selbstperpetuierung von Trauer sei verwerflich und unzulässig. Marcia glaubt fälschlich, dass es ein moralisches Problem sei, sich dem Leben neu zu öffnen und damit einhergehend die Tiefe des Schmerzes an den Verlust durch neue Lebens-Impulse zu übermalen. Seneca möchte sie zurückführen zum gelebten, echten Leben.

( Nicht umsonst gibt es in den USA  eine Klassifikation der Trauer als medizinisch beschreibbares Phänomen, dass behandlungsbedürftig sein kann)

Seneca empfielt den therapeutischen Vergleich sich mit anderen vom Tod betroffenen zu ziehen und damit sein individuelles empfundenes Unrecht zu relativieren. ( Genau das ist der gedankliche Ansatz der Trauergruppen)

Seneca sagt in seiner Gedenkschrift, dass eine lebensdienliche Illusion der Selbsttäuschung –  Nietzsche-  sich positiv auf die Rückbesinnung zur pulsierenden Lebenswelt auswirken könne. Der Blick auf die Unsterblichkeit der Seele ist immer mitgedacht. Es wird vermutet, dass in einer jenseitigen glanzvollen Welt, jenseite des Vorhanges in dieser Welt ein schöneres, anderes Leben möglich ist. Es solle eine sehr gute pragmatische Einstellung zur Ewigkeit des Lebens am Ende der Trostschrift formuliert sein.

Trost sei ein Meinungwandel  zum Tod.  ( Das ist die Kernüberlegung aller Trauerbegleiter-Gruppen: eine neue Haltung zum Tod zu erarbeiten)

Man muß sich eingewöhnen in das Unabänderliche.Eine Abhärtung ist eine Art mit Gefühlen umzugehen. „Erkenne dich, was ist der Mensch, ein Gefäß, das durch beliebige Stösse zerbrochen werden kann“.

Was lange vorher vorausgesehen werden kann, greife uns weniger heftig anzugreifen.  Hier soll das Einsehen der Nichtigkeit und Zerbrechlichkeit des Menschen uns wappnen, gegen die Tiefschläge des Lebens. „Denken als Probehandeln“ formuliert -Arnold Gehlen. Anschließend wird die Steuermannsmetapher erklärt. ( die könnt ihr selbst mal nachlesen)

Selbstbestimmung

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter