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Sommer Nietzsche

Sommer Nietzsche
Written by Giovanni

Um Mittag, wenn

der junge Sommer ins Gebirge steigt,

da spricht er auch

doch sehen wir sein Sprechen nur:

sein Atem quillt wie eines Wandersmanns

im Winterfrost.

Es geben Eisgebirg‘ und Tann‘ und Quell

ihm Antwort auch:

doch sehen wir die Antwort nur.

Denn schneller springt vom Fels herab

der Sturzbach wie zum Gruß

und steht, als weiße Säule zitternd da.

Und dunkler noch und treuer blickt die Tanne

als sonst sie blickt.

Und zwischen Eis und totem Graugestein

bricht plötzlich Leuchten aus –

er deutet dir’s?

– in toten Mannes Auge

wird’s wohl noch einmal Licht:

sein Kind umschlingt ihn harmvoll

und küsst ihn.

Da sagt des Auges Leuchten:

ich liebe dich! –

Und Schneegebirg und Bach und Tann‘

sie sagen auch

zum Sommerknaben nur

„wir lieben dich!

wir lieben dich!“

Und er – er küsst sie harmvoll,

inbrünstiger stets

und will nicht gehn:

er bläst sein Wort wie Schleier nur

von seinem Mund –

ein schlimmes Wort:

„mein Gruß ist Abschied,

ich sterbe jung.“ –

Da horcht es rings

und atmet kaum;

da überläuft es schaudernd, wie

ein Glitzern, das Gebirg,

rings die Natur:

Sie denkt und schweigt. –

Um Mittag war’s.

 

Bildrechte pixbay CC Julius_Silver

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter