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Steven Hawking gestorben

Stephen_Hawking_verstorben
Written by Giovanni

das Domradio vermeldet das

Steven Hawking ist verstorben im Alter von 76 Jahren.

Der Astrophysiker war schon früh an einer schweren Muskelkrankheit erkrankt und zeitlebens auf den Rollstuhl angewiesen. Dennoch gilt er als einer der brillantesten Köpfe der Theoretischen Physik als Professor in Cambridge. Das Domradio schreibt:

„Der große Entwurf“

Berühmt wurde der langjährige Inhaber des Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Cambridge durch seine Theorien über Schwarze Löcher und seine populärwissenschaftlichen Bücher; etwa den Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“ von 1988. Darin hatte Hawking einen göttlichen Einfluss auf die Schöpfung noch in Erwägung gezogen.

In seinem 2010 erschienenen Buch „Der große Entwurf“ vertrat er dann die These, dass sich das Universum selbst aus dem Nichts geschaffen habe, ohne göttlichen Schöpfungsakt. „Weil es ein Gesetz wie das der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selber aus dem Nichts erschaffen. […] Spontane Schöpfung ist der Grund, warum es statt des Nichts doch etwas gibt, warum das Universum existiert, warum wir existieren“, schrieb er. Deshalb sei es „nicht notwendig, sich auf Gott zu berufen“.

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Bildrechte Von Jim Campbell/Aero-News Network – https://www.flickr.com/photos/39735679@N00/475109138/ / http://mediaarchive.ksc.nasa.gov/detail.cfm?mediaid=31873, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3655144

Steven Hawking live im Video beim ZDF über die Gottesfrage

Interview Deutschlandfunk mit Prof Renn Wissenschaftshistoriker Berlin zum Tod von Steven Hawking

Autorenrechte Deutschlandfunk Neues aus der Wissenschaft Uli Blumenthal, link.

Trauerfeier und Beisetzung Steven Hawking

Wie der Tagesspiegel schreibt, findet die Trauerfeier in Cambridge statt, hier weiterlesen

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„Das finde ich alles zutiefst beeindruckend“

Jürgen Renn: Also zunächst mal, das ist ein großer Verlust. Stephen Hawking ist nicht nur für die Physik, sondern insgesamt für die Wissenschaft ein Aushängeschild gewesen. Er hat weltweit Interesse hervorgerufen, er ist auch jemand, der sich in seinen Äußerungen nicht auf die Wissenschaft beschränkt hat, sondern zum Schicksal der Menschheit hier und da Stellung genommen hat, populäre Bücher geschrieben hat, also – wirklich ein großer Verlust.

Und er ist auch als Mensch eine beeindruckende Figur, denn er hat diese Krankheit, die ja sozusagen auch durch sein Bild im Rollstuhl bekannt geworden ist, sehr, sehr lange und sehr tapfer ertragen und hat gezeigt, dass man auch mit so einer Krankheit ein menschenwürdiges Leben und sogar ein sehr kreatives Leben führen kann. Das finde ich alles zutiefst beeindruckend.

Die Begründung von Hawkings Ruhm

Sein wissenschaftlicher Ruhm besteht vor allem in dem Ausloten der Konsequenzen der allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins. Einstein hatte die Theorie ja schon 1915 aufgestellt, und dann gab es einige spektakuläre Bestätigungen, wie die Ablenkung von Licht im Gravitationsfeld der Sonne, aber dann geriet die Theorie praktisch ein bisschen in Vergessenheit – die Quantentheorie, die war anwendungsnäher…. allgemeinen Relativitätstheorie gegeben, und da ist Hawking einer der großen Namen neben Penrose und John Archibald Wheeler, der den Begriff des Schwarzen Lochs geprägt hat.

Und einer der ersten großen bedeutenden Durchbrüche von Stephen Hawking war,..dass diese Singularitäten, diese Unendlichkeiten, die da in den Lösungen der allgemeinen Relativitätstheorie auftreten, nicht irgendwie sozusagen ein Bug der Theorie sind, sondern dass sie wirklich dazugehören und tiefe Aussagen haben.

Such nach „Schlussstein auf dem Gebäude der Physik“

Institut für Lebenskunde: Hawkings hat gesucht – aber den Schlußstein nicht gefunden, aber hat maßgeblich zur Annäherung beigetragen. Deswegen hat er auch keinen Nobelpreis bekommen.

Bedeutung der Schwarzen Löcher

Hawking ist auf die geniale Idee gekommen, einmal zu untersuchen, wie sich Quantenfelder in der Nähe Schwarzer Löcher verhalten, und hat dann festgestellt, zusammen auch mit anderen, dass Schwarze Löcher sich wie thermische Objekte verhalten, also so eine Art Wärmestrahlung aussenden. Und die Prozesse, die da in der Nähe Schwarzer Löcher stattfinden, das sind eben diese Hawking-Strahlungen. Die kann man nicht messen, weil die einfach viel zu schwach ist und wir glücklicherweise nicht so nah an Schwarzen Löchern dran sind, aber sie ist sozusagen eines der sichersten Resultate einer Begegnung von Quantentheorie und Relativitätstheorie.

Es ist noch keine Vereinigung dieser Theorie, aber man sieht, was an der Grenze zwischen diesen beiden Theorien für merkwürdige Effekte auftreten können: eben dass Schwarze Löcher nicht ganz schwarz sind, sondern strahlen. Ich glaube, wie gesagt, obwohl es nicht experimentell zu bestätigen ist, es ist eines der handfestesten Ergebnisse, dass wir diese Theorie überhaupt haben, und das haben wir Hawking zu verdanken.

Blumenthal: Sie haben schon von der Versöhnung von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie mit der Quantenmechanik gesprochen, haben es als Schlussstein bezeichnet – wie weit oder wie nah war Stephen Hawking dieser Weltformel oder dieser großen vereinheitlichten Theorie?

Renn: Das wissen wir natürlich erst, wenn wir sie wirklich haben. Es wird in der ganzen Welt auf vielen sehr unterschiedlichen Wegen nach so einer Vereinigung der beiden grundlegenden Theorien der Physik gesucht, und Hawking hat wirklich mit einer erstaunlichen Kreativität immer wieder neue Ansätze und Lösungsvorschläge dazu gemacht, aber er ebenso wie andere haben noch nicht zu einer endgültigen Lösung gefunden. Und wie gesagt, wie nah wir dran sind, das wissen wir erst, wenn wir sie haben, und wir haben sie noch nicht, ganz eindeutig.

Gedankenexperimente und Paradoxien

Aber er hat sicher, das wird man im Nachhinein auch nicht anders sehen, entscheidende Beiträge dazu geleistet. Und er hat sich, wie übrigens Einstein selber auch, immer ganz großartig mit Gedankenexperimenten und Paradoxien beschäftigt und auf diese Weise aus dem wenigen, was wir da experimentell und durch Beobachtungen überhaupt erfahren können, hat er wirklich Funken geschlagen.

Blumenthal: Wissenschaftliches Forschen besteht ja nicht nur aus Erfolgen, sondern auch aus Misserfolgen oder aus Fehlern. Gibt es solche auch bei Stephen Hawking, wo eine Theorie oder eine Hypothese nicht mehr zu halten war? Es gibt ja auch viele Leute, die über Einstein solche Dinge immer wieder zu widerlegen versuchen, kann man auch etwas bei Hawking finden?

Renn: Ja, aber man macht es sich halt zu einfach, wenn man immer sagt, das sind die Erfolge und das sind die Fehlschläge. Oft ändert sich das auch in Abhängigkeit von der historischen Perspektive. Als Einstein nach Berlin berufen wurde, hat man ihm vorgeworfen, dass er die Lichtquanten postuliert hat – hinterher hat er den Nobelpreis bekommen und es war sein großer Erfolg. Auch das wissen wir bei Hawking nicht, aber Hawking hat auch, wie andere große Wissenschaftler ebenso, im Laufe der Zeit manchmal seine Meinung geändert und vehement bestimmte Thesen vertreten und sie dann hinterher wieder zurückgezogen. Ich finde, das gehört ganz normal zur Wissenschaft dazu.

Wissenschaft als risikoreiche Suche nach Wahrheiten

Die Wissenschaft ist ja keine Religion, wo man an irgendwas glauben muss, sondern man sucht nach der Wahrheit, und da kann man sich auch mal verirren und muss auch mal was riskieren. Und wie gesagt, das ist das Tolle an Hawking, er hat da mit viel Fantasie und Erfindungsgabe immer mal wieder auch kühne Hypothesen aufgestellt, wenn er sie da auch manchmal zurückziehen musste.

Blumenthal: Für die Entstehung des Universums, so hat Stephen Hawking gesagt, braucht es keinen Gott. Das hat ihm viele Anfeindungen eingebracht, meine Frage aber an Sie: Welche Debatten hat er mit dieser Äußerung angestoßen oder ausgelöst?

Renn: Na ja, das sind natürlich ehrlich gesagt ganz uralte Debatten, denn seit es die Naturwissenschaft gibt, hat es immer wieder die Fragen gegeben, drängt sie jetzt die Religion zurück. Die Religion hat sich ja auch oft genug von den Naturwissenschaften bedroht gefühlt, und ich glaube, das Terrain einer Begegnung zwischen Wissenschaft und Religion ist ja nicht so einfach, dass man sagen kann, ja, das war vor dem Urknall, da muss es halt einen Gott gegeben haben. Das wäre durchaus zu einfach gedacht.

„Grobschlächtige Positionen“

Die Naturwissenschaft hat sich andererseits heute angewöhnt, im Gegensatz etwa zur Zeit Galileis und Newtons, diese Fragen nicht mehr so offensiv zu diskutieren. Hawking hat es immer wieder getan, und ich finde, auch dafür gebührt ihm Anerkennung, also einfach diese Fragen, diese übergreifenden Fragen aufgeworfen zu haben, wenn auch seine Positionen dazu manchmal ein bisschen, sag ich mal, grobschlächtig gewesen sind.

Blumenthal: In der Öffentlichkeit in den letzten Jahren ist er immer wieder bekannt geworden mit solchen Äußerungen wie „Die Zukunft der Menschheit liegt im All“. Bis zuletzt verwies er darauf, dass die Menschheit nicht ewig auf der Erde bleiben könne. 2017 sagte er noch hundert Jahre Zukunft für den blauen Planeten voraus, warnte vor dem Kontakt mit Aliens, die möglicherweise die Menschheit unterwerfen könnten. Hat Stephen Hawking seine Popularität genutzt, so wie Albert Einstein, um auch ganz allgemeine Debatten anzustoßen, die er für relevant hielt und denen er Fragen unserer Zeit sah?

Renn: Das hat er sicher getan, und ich glaube, das ist auch wichtig, dass ein Wissenschaftler, der da so oft im Scheinwerferlicht steht, sich zu solchen Fragen auch äußert. Auch wenn ich, wie gesagt, diese Positionen etwas skeptisch beurteile, ich bin persönlich der Meinung, wir sollten erst mal unseren Planeten retten, bevor wir von ihm flüchten, was ja auch nicht so ganz einfach ist. Deswegen sind diese Positionen manchmal vielleicht auch sehr überspitzt formuliert, aber er hat immer dadurch Gedanken angestoßen, und ich glaube, darin liegt der Wert solcher Äußerungen. Sie sind provokativ, aber sie haben sicher auch zum Nachdenken angeregt.

About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter