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Trennungsschmerz

Trennung
Written by Giovanni

Prof Seidler wird von GEO interviewt über die Auswirkungen von Beziehungstrennungen, hier klicken. Trennung ist die große Mutter der Entzweiung. Ist die Trennung durch den Tod evoziert, ist eine weitere Tiefendimension erreicht, denn die Beziehungstrennung ist irreversibel, unhintergehbar und keinesfalls heilbar. Im Gegensatz steht dazu die Trennung auf dem Parcours des Lebens.  Das Beziehungsgefüge gerät ins Wanken, die Säulen der Welt scheinen gänzlich allesamt zusammenzubrechen.

I. Trennung von einem Lebenspartner

Zitat Prof Seidler:  mit Übererregung wird auf Trennung reagiert:

Sie kommen nicht zur Ruhe, leiden an Schlaf- nicht, manche entwickeln Kreislaufprobleme. Dazu kommt das seelische Leid – etwa belastende Erinnerungen, denen sich Verlassene machtlos ausgeliefert fühlen. Typisch ist auch ein Vermeidungsverhalten: Betroffene gehen Orten, Menschen und Dingen aus dem Weg, die an den Expartner erinnern. Und eine große Gruppe entwickelt depressive Symptome: Lustlosigkeit gegenüber schönen Dingen, Rückzug – nicht selten gar Suizidgedanken.

spannender Weise wird der Therapeut mit vier Phasen einer Trennung zitiert, was mich sehr an die Phasenmodelle der Trauer nach Prof Verena Kast erinnert.

Prof. Seidel führt die vier Trennungsphasen wie folgt aus:

1. Phase eigentlichen Trennung. Unmittelbar nach dem Ereignis verleugnen die Betroffenen das Geschehen: Sie wollen nicht wahrhaben, dass ihr Partner sie verlässt, sie appellieren an dessen Liebe und versuchen, um ihre Beziehung zu kämpfen.

2 Phase  Protest und Hadern. Betroffene fühlen sich falsch behandelt, entwickeln Groll und zuweilen Rachefantasien.

3.  Selbstreflexion- Phase, in der die Beziehung und die eigene Rolle darin stärker infrage gestellt werden.

4. Neuorientierung, des Neuanfang- Phase.

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II.  Trennung durch den Tod

Folgend die Trauerphasen nach Prof Verena Kast zitiert nach den Johannitern, link.

1. Trauerphase: Nicht-Wahrhaben-Wollen

Der Tod eines Menschen schockiert immer dann,  wenn es eine Herzensbeziehung zum Toten gab. Da gilt auch dann,  wenn der Tod absehbar war. Verzweiflung, Hilf- und Ratlosigkeit herrschen vor. Das Geschehene wird noch nicht erfasst, man leugnet es ab, man kann und will es nicht glauben.
Viele Menschen sind wie erstarrt, verstört und völlig apathisch. Andere geraten außer Kontrolle, brechen zusammen. Manche Menschen sind in dieser Phase partiell geschäftsunfähig. Das sollte man auch bedenken, wenn man den Kaufmann Bestatter aufsucht und bei leichter Labilität gute Freunde mit zu dem Geschäftsgespräch mitbringen. Ein emotionale Eisstarre beginnt.  Es wird vom Körper der derangierte Überlebensmodus gefahren. Die Psychologen nennen das auch Dissoziation. Nach meiner Erfahrung als Sterbe- und Trauerbegleiter nehme ich immer gerne eine Anleihe in der Medizin auf. Diese Phase könnten man als Zentralisation bezeichnen.  In der Notfallmedizin wird die Zentralisation als der Mechanismus beschrieben, der die Arme und Beine von der Blutversorgung abschnürte, weil man sie für das Überleben nicht notwenidger Weise braucht. Eine psychische Zentralisation ist die erste Phase der Trauer.

Wiki schreibt:

Der Begriff Dissoziation bezeichnet das (teilweise bis vollständige) Auseinanderfallen von psychischen Funktionen, die normalerweise zusammenhängen. Betroffen von dissoziativer Abspaltung sind meist die Bereiche WahrnehmungBewusstseinGedächtnisIdentität und Motorik, aber manchmal auch Körperempfindungen (etwa Schmerz und Hunger)

Körperliche Reaktionen in der Trauerphase Nicht-Wahrhaben-Wollen-: rascher Pulsschlag, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, motorische Unruhe.

2. Trauerphase: Aufbrechende Emotionen

Gefühle bahnen sich nun ihren Weg. Leid, Schmerz, Wut, Zorn, Freude, Traurigkeit und Angst können an die Oberfläche kommen. Je nach der Persönlichkeitsstruktur des Trauernden herrschen verschieden Gefühle vor. „Warum musste es ausgerechnet mich treffen?“ oder „Womit habe ich das verdient?“ Das sind Fragen, die sehr leicht aufkommen. Man schreit seinen Schmerz heraus, Wut und Zorn entstehen gegen Gott und die Welt. Aber auch gegen den Toten werden Vorwürfe gerichtet: „Wie konntest du mich nur im Stich lassen?“ oder „Was soll nun aus mir werden?“ Diese aggressiven Gefühle können sich aber auch gegen einen selbst richten: „Hätte ich nicht besser aufpassen müssen?“ oder „Hätte ich das Unglück nicht verhindern können?“
Als Folge davon entstehen Schuldgefühle, die den Trauernden quälen.
All diese Gefühle, die zu diesem Zeitpunkt über einen hereinbrechen, sollte man keineswegs unterdrücken. Sie helfen dem Trauernden, seinen Schmerz besser zu verarbeiten.
Werden sie jedoch unterdrückt, so können diese Gefühle viel zerstören, sie führen dann nicht selten zu Depressionen und Schwermut.
Die Dauer dieser Phase lässt sich nur schwer abschätzen, man spricht etwa von ein paar Wochen bis zu mehreren Monaten.

3. Trauerphase: Suchen und Sich-Trennen

Auf jeden Verlust reagieren wir mit Suchen. Was wird eigentlich in der Trauer gesucht? Zum einen der reale Mensch, das gemeinsame Leben, gemeinsame Orte mit Erinnerungswert. Auch in den Gesichtern Unbekannter wird nach den geliebten Gesichtszügen gesucht. Gewohnheiten des Verstorbenen werden übernommen.
Gemeinsame Erlebnisse sollen Teile der Beziehung retten und werden gleichsam als „Edelsteine“ gesammelt. Dies erleichtert die Trauer. In inneren Zwiegesprächen wird eine Klärung offener Punkte möglich, kann Rat eingeholt werden.
Durch diese intensive Auseinandersetzung entsteht beim Trauernden oft ein starkes Begegnungsgefühl. Das ist unheimlich schmerzhaft und unendlich schön zugleich!
Im Verlaufe dieses intensiven Suchens, Findens und Wieder-Trennens kommt einmal der Augenblick, wo der Trauernde die innere Entscheidung trifft, wieder ja zum Leben und zum Weiterleben zu sagen oder aber in der Trauer zu verharren.
Je mehr gefunden wird, was weitergegeben werden kann, umso leichter fällt eine Trennung vom Toten. Dieses Suchen lässt aber auch oft eine tiefe Verzweiflung entstehen, weil die Dunkelheit noch zu mächtig ist. Suizidale Gedanken sind in dieser Phase relativ häufig.
Diese Phase kann Wochen, Monate oder Jahre dauer

4. Trauerphase: Neuer Selbst- und Weltbezug

Nachdem man seinen Schmerz herausschreien durfte, anklagen und Vorwürfe machen durfte, kehrt allmählich innere Ruhe und Frieden in die Seele zurück. Der Tote hat dort seinen Platz gefunden.

Langsam erkennt man, dass das Leben weitergeht und dass man dafür verantwortlich ist. Es kommt die Zeit, in der man wieder neue Pläne schmieden kann. Der Trauerprozess hat Spuren hinterlassen, die Einstellung des Trauernden zum Leben hat sich meist völlig verändert.
Der Verstorbene bleibt ein Teil dieses Lebens und lebt weiter in den Erinnerungen und im Gedenken.

Trennung Prophet

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Wir haben vor ein paar Jahren von einem elektronischen Trennungsratgeber berichtet, der im technikgeilen Amerika in die Welt geblasen wurde. Zwar gibt es noch den Bericht im STERN, aber die Firma nicht mehr. Das nimmt kein Wunder, denn höchstpersönliche Angelegenheiten sollte man auch höchstpersönlich regeln und keine Agentur dazwischenschalten. Det gleiche gilt für eine gute Performance der Kirche, sich hinter Segnungsrobotern zu verstecken hilft keinem MENSCHEN, link.

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About the author

Giovanni

Giovanni ist studierter Jurist und Philosoph als Marketingleiter bei einem Mittelständler unterwegs, Geschäftsführer einer Agentur, ehrenamtlicher Sterbebegleiter, zertifizierter Trauerbegleiter, Beirat ITA Institut für Trauerarbeit, Mitgliedschaften: Marketing Club Hamburg, Büchergilde Hamburg, Förderverein Palliativstation UKE, ITA, Kaifu Lodge, Kaifu-Ritter